Start
About & Links
Archiv
GB
Follow on BloglovinArchivArchivArchiv




GB
GB
Mittwoch @ 1/22/2014
(6) Liebesbekundigungen
The grammar of Retrum.

Christian hat ein Problem: Er ist Schuld am Tod seines Zwillingsbruder. Denkt er jedenfalls und meidet seitdem mehr oder weniger alles un jedem, mit denen er sich länger als nötig unterhalten könnte.
Zufällig, wie das Schicksal es eben will, trifft er auf dem kleinen Friedhof seines Heimatortes drei seltsame Gestalten mit weißgeschminkten Gesichtern: Retrum nennt sich die Clique, die für ihn in der nächsten Zeit zu seinem neuen Lebensinhalt wird - endlich hat er Freunde, die auch auf die dunkle Seite des Lebens anstoßen, die ihn verstehen, er, der gerne Nachts auf Friedhöfen spazieren geht! Doch irgendwann laufen die Dinge aus dem Ruder - und etwas schreckliches geschieht...


"Vier Freunde verbindet eine Leidenschaft:
das Spiel mit dem Tod.
Doch das Spiel wird zur Gefahr...
und dann holt der Tod sie ein.
Was als Spaß beginnt, endet tödlich."
(Klappentext)

Retrum ist ein Buch mit einfacher, aber sanfter Sprache und einer ziemlich cleveren Idee: Durch das Buch zieht sich immer wieder eine bestimmte Playlist die auf bestimmte Situationen in Chris' Leben passen. Auf der Website Retrumfans.de kann man sich diese anhören und mitleben. Eine wunderbare Idee und fabelhaft umgesetzt.

Der Erzählstil des Autoren ist ruhig und fließend, den Titel "Thriller" wird dem Buch nicht gerecht: Es ist vielmehr ein Roman über die Entwicklung des Protagonisten Christians, seine Erlebnisse, den Weg zur eigenen Identität und über die erste Liebe. Christian erkennt, dass Verliebtsein nicht einfach ist und dass man mit Trauer auch anders umgehen kann, als an Selbstmord zu denken. Der Roman schildert eine wichtige Zeit in seinem Leben die ihn verändert und formt - und hier kommen wir jetzt zu meinen Problemen mit dem Roman. Den Charakteren: Bis auf Christian fand ich die Protagonisten des Buches, also im Grunde genommen Alexia, Alba (die beiden Mädchen, die in Chris' Leben eine entscheidende Bedeutung spielen) & seinem Vater allesamt eher oberflächlich und flach beschrieben. Dafür, dass sie zentrale Personen der Handlung sind, wird ihr Hintergrund kaum beleuchtet und ihre Motive (gerade gegen Ende des Buches) kaum hinterfragt.
Auch Rolle der Person des Stadtkünstlers (er hatte einen spanisch klingenden Namen) ist mir zusehr aus dem Boden gestampft: Auf einmal ist er für Christian eine wichtige Person und gibt ihm Ratschläge, die der 17 Jährige benickt? Das geht mir alles zu schnell und ergibt keinen Sinn.

Das Ende des Buches ist leider wirklich sehr enttäuschend: Die Auflösung der einzigen Sache, die vielleicht etwas mit dem Genre "Thriller" zu tun haben könnte, ist meiner Meinung nach zu schnell abgehandelt und wird nicht differenziert genug erklärt - somit ist sie für mich unlogisch und nicht nachvollziehbar.

Der Roman Retrum ist ein Jugendportrait, welches das Potenzial zu mehr hätte, es jedoch nicht vollends ausschöpft: Dafür sind viele Handlungsstränge zu schnell abgehandelt, in denen die bereits erwähnten Charaktere mehr Tiefe hätten erlangen können. Das ist schade.
Fans von spannungsgelandenen Thrillern werden wohl auch keine Freude an diesem Roman der eher ruhigen Art haben - dafür macht das Buch optisch eine Menge her, was nicht unbedingt über gewisse Oberflächlichkeiten hinwegtäuscht.

DREI von fünf Grabsteinen.


Titel: Retrum
Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 345
Erscheinungsdatum: 20.12.2011
ISBN: 9783785570388
Autor aus: Spanien
Retrum ist im Loewe Verlag erschienen, bestellen kann man es hier

PS. Tut nix zur Sache, aber heute ist der National Blonde Brownie Day.

Labels: , , , ,

Montag @ 1/13/2014
(9) Liebesbekundigungen
Unter der Erde.

 

Vor sechs Jahren flüchtete der nun fünfzehnjährige Eli in einen unterirdischen Bunker seines milliardenschweren Vaters - und ist damit wohl einer der wenigen Überlebenden des nuklearen Angriffs auf die USA. Leider hat es nicht seine ganze Familie in den Bunker geschafft: Seine Großmutter und sein Zwillingsbruder Eddy waren zu spät. Besonders der Verlust seines Bruders schwerzt Eli sehr, da er sich selbst die Schuld daran gibt, dass dieser nicht mit ihm überleben konnte. Mit jedem verstrichenem Tag, mit jedem Monat, mit jedem Jahr wird das Zusammenleben mit seiner Familie schwieriger und unerträglicher - seine Schwestern nerven Eli nur noch, mit seiner Mutter redet er nur selten und sein Vater fängt an, sich seltsam zu benehmen...

Der Leser erfährt erst nach und nach mehr über die Hintergründe un Ereignisse der beschriebenden Situation - das macht das Buch am Anfang zu einer sehr spannenden und aufreibenden Erlebnis, dass viel Interpretationsraum für eigene Spekulationen lässt. Die Sprache des Romans ist einfach und dem jugendlicher Erzähler angepasst. Mit jedem Kapitel fängt man an, Eli mehr und mehr zu verstehen und zu dem, was er ist - und wieso er mit seiner Familie so umgeht.

Als Eli dann anfängt, die Autorität seines Vaters zu hinterfragen, spitzt sich die Situation im Bunker immer mehr zu - es kommt zu Ereignissen, die mir als Leser den Mund offen stehen lässt und die ich mir für ein Jugendbuch kaum so ausgemalt hätte!
Es gibt wenig Beschreibungen in dem Buch und selbst diese sind sparsam gesetzt - das ist gut so, denn so macht man sich als Leser ein eigenes sehr lebhaftes Bild von Elis Umgebung und den Figuren. So sparsam der Autor auch bei der Beschreibung der Szenerie ist, so wenig hätte er jedoch die restliche Familie auch noch aussparen müssen. Denn diese bleibt bis zum Schluss zwar skizziert, aber irgendwie klischeehaft: Lexie, die adoptierte große Schwester, die Eli nicht leiden kann und alles dafür tut, um von ihrem Adoptivvater geliebt zu werden und Terese, die "kleine Miss Perfect", die alles kann und immer die richtigen Entscheidungen trifft.

Die Beweggründe der einzelnen Figuren sind nicht nur nicht nachvollziehbar sondern ändern sich auch so sprunghaft, dass es gegen Ende des Buches unauthentisch wird. Am meisten gestört hat mich die Mutter Elis, die ständig zwischen der Rolle der starken Frau und dem Bild der verzweifelten und bemitleidenswerten Frau hin- und herspringt.

Das Buch wird dennoch sehr viele interessante moralische und ethische Fragen auf - und das auf eine Art und Weise, die fast schon unter die haut geht. Welche jedoch, werde ich nicht verraten, da dass schon fast wieder an einen Spoiler grenzen würde. Lediglich das Thema Atomkrieg, welches man ja vermuten könnte, wird nicht aufgegriffen. Warum auch immer.
Nicht alles wird am Ende vollständig aufgelöst, aber das tut der Handlung gut, da so das Bild des Happy Ends etwas aufgelöst wird - wenn es denn eines gibt, was ich Euch natürlich AUCH nicht verrate, muhaha! 

"Überleben" ist gegen meine Erwartungen kein gesellschaftskritischer Roman über Kriegstreiben und Survivalstrategien - stattdessen ist es genau das, was man erwarten sollte: ein Thriller.
Man bekommt in dem Roman keine tiefschürfende und gut differenzierte Geschichte sondern gute und spannende Unterhaltung gepaar mit ethischen Fragen- was gut dazu führen kann, dass man das Buch von S. A. Bodeen ein paar Stunden (oder Tage) nicht aus der Hand legen können wird!
DREI von fünf Pixelpunkten.

Titel: Überleben
Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 288
Erscheinungsdatum: 25.1.2010
ISBN:  9783841500748
Autorin aus: den USA
Überleben ist im Oetinger Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.

Labels: , , ,

@ 12/23/2013
(5) Liebesbekundigungen
Before I sleep.

Christine spürt, wie sich neben ihr jemand regt. Wo ist sie? Schnell richtet sie sich im Bett auf und hört ihr Rückrad knacken. Wieso fühlt sie sich, als wäre sie 47?
Weil sie 47 ist. Überraschenderweise denkt sie jeden Tag, sie wäre 20 und würde neben einem One Night Stand liegen, einem ollen Lover, der nichts taugt. Bis sie versteht, dass sie an Amnesie leidet, und der "olle Kerl" neben ihr ihr Mann Ben ist, vergeht meistens ein bisschen Zeit. Meistens ruft ihr behandelnder Arzt sie an, und erklärt ihr an den Schrank zu gehen, dort im untersten Schubfach ein Buch zu finden - ihr Tagebuch. In dem alles steht. Auch der kleine Satz "Vertrau Ben nicht!".
Ein Unfall soll es gewesen sein, aufgrund dessen Christine ihr Gedächtnis verloren hat und zudem ihre Fähigkeit, neue Informationen zu speichern. Sobald der Schlaf Christine übermannt, vergisst sie alles, was sie am Tag zuvor gelernt hat.

"Ich.Darf.Nicht.Schlafen." ist zu erst einmal eine sehr schlechte Titelübersetzung. Der Originaltitel "Before I sleep" trifft da schon eher, was Christine jeden Tag durchleben muss. Der Roman ist ziemlich originell - ein Buch über Amnesie habe ich bisher noch nie gelesen, und S. J. Watson schafft es mit seinem trockenen und sachlichen Erzählstil eine traurige Geschichte zu schreiben. Der jedoch, wenn man genauer hinschaut, meiner Meinung nach die tiefgründigen Gefühle fehlen - zwar wird die Verzweiflung Christines jeden Tag zu VERGESSEN sehr gut getroffen, aber auf positive Gefühle wartet der Leser lange. Die werden nämlich im Gegensatz zu den negativen sehr schwach dargestellt. Christine bleibt so, wie sie zu anfangs ist: blass. Sie vergisst viel, und das mag man einem an Amnesie leidenden Charakter auch (hoch?) anrechnen, aber viel mehr Tiefgründigkeit kann man auch gegen Ende des Buches nicht von ihr erwarten.

Eine weitere Problematik des Buches war ohne zu fragen das Ende - es war zwar gut durchdacht und logisch aber nichtsdestotrotz komplett übertrieben und überdramatisiert.  Hier zeigt sich nochmal deutlicher, was ich eben erwähnt hatte - Christine tut Dinge, die ich nicht nachvollziehen konnte und irgendwie kam mir der Gedanke, dass sich der (männliche, recht junge und nicht 47 jährige) Autor einfach nicht genug in eine 47 jährige Frau hineinversetzen konnte.

Positiv war jedoch die Handlung des Buches: Sie widerholt sich oft, ist eintönig, was der Thematik aber nur recht gibt und den monotonen Alltag Christines unterstreicht. Dennoch wird es nicht wirklich langweilig, da die Spannung gegen Ende steigt.

Letztendlich ist "Ich.Darf.Nicht.Schlafen." ein überraschend gutes, aber nicht konsequent überzeugendes Buch über ein sehr originelles und bestimmt nicht einfaches Thema. Wer Thriller mag (und entgegen der bisher gelesenen Meinung finde ich sehr, dass es ein Thriller ist) und Brighton liebt (<3), ist hier gut beraten. Wer nicht, der lieber nicht.
DREI von fünf Erdbeerpunkten.

Titel: Ich.Darf.Nicht.Schlafen.
Autoren: S.J. Watson
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 464
Erscheinungsdatum: 23.08.2011
ISBN: 9783651000087
Autor aus: Großbritannien
Ich.Darf.Nicht.Schlafen. ist im Scherz Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.

Labels: , , ,

@ 12/16/2013
(10) Liebesbekundigungen
Das Labyrinth erwacht.

Sieben Jugendliche und 6 Portale, die in die rettende nächste Welt führen. Keiner von ihnen erinnert sich an seine Vergangenheit, alle wachen sie nackt im Kornfeld auf und müssen herausfinden, wo sie sind, wer sie sind und was ihre Aufgabe ist. Nachdem (sie ihre Kleidung gefunden haben) sich sammeln, bekommen sie nach und nach die vollen Ausmaße ihrer Aufgabe zu spüren: Gejagt von seltsamen Kreaturen müssen sie zusammenhalten, um zu überleben - aber geht das überhaupt? Kann man den anderen trauen? Und wieso gibt es am Ende der 'Prüfung' dann ein Tor weniger als Gruppenmitglieder, das heisst doch von vornerein, dass sie sich entscheiden müssen, wer hierbleibt?

"Das Labyrinth erwacht" war kein sehr überzeugender Roman. Nein, ganz im Gegenteil: Es brauchte mich gar nicht zu überzeugen, da es von Anfang an fesselnd und authentisch war. Die lebendige Wortwahl und die häufigen (aber nicht unübersichtlichen) Perspektivwechsel des Autors machen den Roman zu einer absoluten Leseempfehlung von einem Thriller (obwohl eine Genreeinordnung nicht so leicht ist, da das Buch auch Science-Fiction bzw. Postapokalyptische sowie Fantasyelemente enthält). Und das sage ich nicht, weil ich gesponsert wurde oder so! Nein, es war eher schwierig, an ein günstiges Exemplar zu kommen, weil wohl niemand dieses Buch einfach so hergeben möchte (; Aber nun zu meinen anderen Punkten.

Die Handlung: Einfach und simpel, aber sehr überzeugend. Die sieben Jugendlichen folgen einem Stern, der sie zu den Portalen führt. Viel mehr wissen sie nicht und auch der Leser bekommt nicht viel mehr Einblick als zum Zeitpunkt des augenblicklichen Geschehens - das macht das Lesen jedoch nur umso spannender, weil man nicht umherkommt mitzurätseln.

Die Charaktere: Jenna, Jeb, Tian, Kathy, Mary, Leon und Mischa sind alle sehr unterschiedlich und doch authentische Jugendliche. Allerdings gab es hier und da Punkte, an denen ich mich über die leicht einseitige Darstellung wunderte - um einige Seiten später (wenn die Perspektive sich wieder demjenigen widmete) den Charakter besser beleuchtet zu bekommen und zu verstehen. Die Darstellung der Charaktere ist also nicht klischeebeladen und keineswegs oberflächlich. Sie ist vielleicht nicht philosophisch worteschwer, aber auch nicht eindeutig "schwarz" oder "weiß". Jede auftretende Person ist irgendwie ambivalent und es fällt nicht leicht sie in irgendeine Form zu pressen.
Der Zusammenhalt der Gruppe bekommt, je länger sie unterwegs sind, immer mehr Bedeutung innerhalb des Plots und wird anschaulich vom Autor beschrieben.

Zu Ende des Buches bleiben viele Fragen offen: Wieso ist im Titel von einem Labyrinth die Rede? Was passiert mit den Jugendlichen? Wie geht es weiter? Ein fieser Cliffhänger bleibt bis zum 20. August bestehen - dann kommt der zweite Teil der Trilogie ("Das Labyrinth jagt dich") heraus und ich kann weiterfiebern. <3

Fazit: Ein wunderbar spannendes und emotional tiefgründiges Buch mit tollen Charakteren und einer einfachen, aber genialen Storyline. Lesen bitte!

FÜNF von fünf Erdbeeren.
 

Titel: Das Labyrinth erwacht
Autor:
Verlag: Arena Verlag
Seiten: 408
Erscheinungsdatum: 10.01.2013
ISBN: 978-3401067889
Autor aus: Deutschland
Das Labyrinth erwacht ist im Arena Verlag erschienen, bestellen kann man es hier

Labels: , , , ,

@ 11/25/2013
(8) Liebesbekundigungen
Thrillernebel, mach auf!

Ähm.. ich lebe noch.. ja! Ich hatte nur irgendwie keine Motivation zu bloggen. Kennt Ihr das auch? Bestimmt. Bevor ich noch melancholisch werde langweile ich Euch lieber mit einer Buchrezension!
 "Hannes sah nach recht und nach links. Ein paar Fenster in den gegenüberliegenden Häusern standen offen, aber niemand sah heraus, nirgends waren Fernseh- oder Radiogeräusche zu hören. Keiner schimpfte, keiner lachte, keiner heulte. Nichts. Einfach gar nichts." (S.73)

Vier Orte, fünf Jugendliche und eine menschenleere Welt: Für Hannes, Tamara, Alissa, Leon und Kora steht die Welt auf einmal still. Tamara nickt im Zug kurz ein und findet sich auf einmal auf menschenleerer Steppe wieder. Alissa und Leon machen ein Picknick im Wald, als ihre Freunde auf einmal nicht wieder auftauchen. Sie kennen sich (noch) nicht und lernen doch gemeinsam, was es heisst, alleine zu sein.

Vakuum ist ein bedrückender Thriller der Autorin Antje Wagner der es umgehend gelingt den Leser in ihrer Geschichte zu verwickeln und die Charaktere der Jugendlichen authentisch zum Leben zu erwecken. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der fünf Teenager geschildert (die sich vom Alter teilweise sehr unterscheiden). Dabei gibt jedes Kapitel neue Geheimnisse preis, die der Leser mitentschlüsseln kann und darf: Denn das macht den Reiz dieses Buches aus!
Eine große Stärke des Buches sind, wie erwähnt, die Charaktere des Buches, die die Autorin (nach eigener Aussage in einer Leserunde auf Lovelybooks) etwa ein Jahr lang entwickelt und sie durch ihre Wünsche, Ängste und Eigenschaften lebendig hat werden lassen, bevor sie mit dem Schreiben an "Vakuum" begann. Und dies merkt man sehr!

Sprachlich hat die Autorin einen lockeren Schreibstil der sich sehr gut lesen lässt. Besonders berührt hat mich in dem Buch, wie die Autorin verschiedenartige und komplexe Thematiken wie  Freundschaft, Tod oder Krankheiten anspricht, ohne sie explizit auszusprechen oder eine Moral zu definieren. Dies, so meine Meinung, macht das Buch auch besonders für erwachsene Leser interessant.

Insgesamt ist "Vakuum" ein durch und durch spannender und anspruchsvoller Roman der den Leser nicht nur durch liebenswerte Charaktere in seinen Bann zieht, sondern auch seine unheimliche und ergreifende Atmosphäre.

fünf von FÜNF Sternen! :D
 
Titel: Vakuum
Autorin: Antje Wagner
Verlag:  Bloomsbury
Seiten: 304
Erscheinungsdatum: 1. 09. 2012
ISBN: 9783827054371
Autorin aus: Deutschland
Vakuum ist im Bloomsbury erschienen, bestellen kann man es hier.

Labels: , ,

Dienstag @ 6/18/2013
(4) Liebesbekundigungen
Im Netz der Angst. Oder so.

 

Aimee Gannon, Psychologin, wird hinzugezogen als eine ihrer jüngere Patientinnen Taylor blutend und ziemlich sprachlos neben ihren brutal ermordeten Eltern aufgefunden wird. Aimee glaubt an die Unschuld der jungen Frau und fängt mit dem Detective Josh Wolf an zu ermitteln. Die Psychologin selbst hat natürlich auch an einem Trauma aus früherer Zeit zu nagen.
Leider ist das Buch mehr als Thriller oder Krimi. Nämlich auch eine Liebesgeschichte zwischen Detektiv und Psychologin - dieser "hilft" ihr dann, ihr "Trauma" zu verabeiten. Ja. Ist genauso scheinheilig beschrieben wie es sich anhört.

Die Autorin entschieidet sich in "Im Netz der Angst" für einen sehr kleinen Kreis aus Verdächtigen. Dabei bekommt man als Leser viel von der Gedankenwelt des Täters mit. An sich kein schlechter Grundgedanke - allerdings kann man sich so schon schnell klamüsern, wer der Täter sein könnte, was den ganzen Roman im Hinblick auf den doch interessanten Fall etwas Spannung nimmt. Tarnende Handlungsstränge oder fehlführende Fährten sucht man vergebens.
Die Liebesgeschichte im Roman ist auch an sich nichts negatives - nur wirkte sie in diesem Falle irgendwie etwas fehl am Platz, da es "Im Netz der Angst" auch um das sensible Thema Pädophilie geht, welches dementsprechend oberflächlich behandelt wird. (Zudem waren die hier beschriebenen romantischen Szenen sehr detailliert und ausführlich. Da fragt man sich spontan: Warum? Was hat das mit einem Thriller zu tun?)

Der Ermittler Josh selbst ist der Inbegriff einer Klischeebeschreibung: Breite Schultern, maskulin bis zum Po, groß und machomäßiges Auftreten. Nun, er ist einfach nicht der hellste Stern am Himmel. Taylor (das "Opfer")  hingegen ist vielschichtiger: Ihre charakterliche Entwicklung ist spannend und packend erzählt.
Aimee Gannon widerum ist weder Fisch noch Vogel, zum einen eine starke Frau die mit den brutalsten Beschreibungen klar kommt, zum anderen eine ziemlich unprofessionel wirkende Frau die sehr gefühlsgesteuert (anders kann ich mir ihre Handlungen nicht erklären) ist.

Gegen Ende des Buches tritt ein neuer Verdächtiger in die Plotline - und bringt den Fall rasant zum Abschluss. Wenig überraschend und recht vorhersehbar endet das Buch dann ziemlich schnell. 
Ein Thriller ist "Im Netz der Angst" für mich daher nicht zu wenig fesselnd und zu vorhersehbar- eher eine Liekrigeschichte (Liebe + Krimi = LiKri). Naja. Leider nicht ganz mein Geschmack, von daher gibt es von mir nur

ZWEI von FÜNF Sternen.

Fazit: Ein sehr mittelmäßiger Roman dem es an Spannung fehlt.

Titel: Im Netz der Angst
Autor: Eileen Carr
Verlag: Lyx Egmont
Seiten: 352
Erscheinungsdatum: 11. April 2013
ISBN:  978-3802590986
Autorin aus: den USA
HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Im Netz der Angst ist im Lyr Egmont Verlag erschienen, bestellen kann man es hier
Vielen Dank an den Verlag und an BloggdeinBuch für die Bereitstellung eines Lesexemplars!

Labels: , , , ,

Donnerstag @ 6/13/2013
(5) Liebesbekundigungen
Saeculum.


Bastian ist ein ziemlicher Streber der am liebsten über seinen Büchern hokt und für sein Medizinstudium lernt - bis er Sandra kennen lernt. Die nimmt ihn nämlich spontan auf einen Mittelaltermarkt mit, in einer Welt, die er so noch nicht kennen gelernt hat. Plötzlich findet er sich zwischen kämpfenden Rittern, Marktweibern und Ledertaschen wieder und weiß kaum, wie ihm geschieht. Als Sandra ihn dann auch noch überreden will an einer Convention ihrer Freunde, deren Live-Rollenspielgruppe sich Saeculum nennt, teilzunehmen, ist er erst mal skeptisch. Mit Rollenspiel kennt er sich eigentlich nicht so aus, und mit der Zeit vor dem 14. Jahrhundert auch nicht (denn das ist die Zeit, auf die
Saeculum sich spezialisiert hat). Die Tatsache auf der Convention mehr Zeit mit Sandra verbringen zu können klingt allerdings ganz verlockend.. 
also schlägt er ein - auch wenn das heisst, für ganze fünf Tage auf alle Angenehmlichkeiten des modernen Alltags verzichten zu müssen. Im Wald, ohne Zelt, nur mit Decken, altertümlichen Kleidern und etwas Essgeschirr bestückt, zusammen mit anderen Rollenspielern die an so etwas mehr oder weniger schon gewohnt sind. Doch die Tage verlaufen anders, als das Organisationsteam der Convention sie geplant hatten - die Gegend, in der sie spielen wollen, findet nämlich in einem angeblich verfluchtem Gebiet statt..

Die Autorin Ursula Poznanski widmet sich gerne ungewöhnlichen Themen wie hier, dem Rollenspiel. Da ich selber auch Rollenspiel betreibe war die Perspektive für mich, ganz im Gegensatz zu Bastian oder den meisten Lesern (wenn man Lovelybooks glauben schenkt), eine andere - und doch verschlang Saeculum mich sofort und zog mich in seinen Bann. Die Handlung nimmt sich Zeit und es fiel mir trotz meiner Vorurteile (Wird die Rollenspielszene klischeehaft, typitisiert oder übertrieben dargestellt? Kann jemand, der damit nicht zu tun hat, etwas anfangen und Vorurteile vielleicht sogar abbauen?)  sehr leicht mich in den etwas misstrauischem Bastian, der sich auf fünf Tage Spiel und Spaß (wenn auch mit etwas seltsamen Leuten) freut, hineinzuversetzen.

Solche Gedanken (wie er sie hat) kennt man vielleicht, wenn man selber schon mal Rollenspielern begegnet ist - wie schaffen sie es, sich ständig mit "Ihr" anzusprechen und dabei ernst zu bleiben? Magische Artefakte suchen und Aufträge von einem höhergestellten Ritter annehmen? Ehrlich? Albern? Doch wenn man keine Probleme hat in eine selbst ausgedachte Rolle zu schlüpfen fällt es leicht mitzumachen und Spaß am Rollenspiel zu bekommen.
Zu meinem größten Erstaunen geht Poznanski sehr behutsam an das Thema des Rollenspiels heran und bedient sich keinen ausgelatschten Klischees - sie ist nie wertend und bleibt stets dicht an der Perspektive von Bastian, dem das alles zwar komisch, aber dennoch amüsant erscheint.
Die Geschichte selbst ist (abgesehen davon, dass sie spannend ist) sehr gut durchdacht und wirkt keinstenfalls konstruiert oder unlogisch - erst am Ende wird einem die Bedeutung von allem klar, nichts ist vorhersehbar und doch kann man als Leser wunderbar miträtseln - dabei gibt es stets zwei Seiten: Ist die Gegend nun verflucht oder übertreibt die selbstgewählte Hellseherin Doro maßlos?

Die Charaktere des Buches sind wunderbar authentisch und wirken sehr lebensecht - sofort entwickelt man Sympathien bzw. Dissympathien die jedoch je nach Handlung und Entscheidung der Spieler hie und da wieder umgeworfen werden so dass man sich selbst mit einem ständigen Perspektivwechsel konfrontiert sieht. Letztendlich ist  jede Figur in Saeculum wichtig und trägt zur Handlung bei. Diese Gewichtung merkt man der Gesichte an, ohne dass sie belastend und zu ernst wirkt.
Der Ausgang der Geschichte beruhte schlussendlich auf so vielen Kleinigkeiten und Details, die einem erst „vor Ort“ wie Schuppen von den Augen fallen.

Die Sprache Saeculums ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Atmosphäre dieses Werkes - die Beschreibungen der Landschaft und der handelnden Personen sowie der lockere Umgang mit der Jugendsprache die ständig emotionalen Spannungen unterliegt, gelingen der Autorin hervorragend.

Fazit: Saeculum überzeugt durch einen sehr gut durchdachtem Plot, ein sehr originelles Setting und brillianten Protagonisten - ein Werk, an dem ich absolut nichts auszusetzen habe, und das ich jedem Fan von Spannungs- und Emotionsgeladenen Geschichten sowie tiefgründigen Charakteren weiterempfehlen werde. 
Auch Rollenspielern und Larpern sei dieses Buch ans Herz gelegt, da es ein wunderbarer Beweis dafür ist, dass auch Nicht-Rollenspieler vorurteilsfreie Werke schreiben können.

von FÜNF Bambis.
Titel: Saeculum
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
Seiten: 496
Erscheinungsdatum: 1. November 2011
ISBN:  9783785570289
Autorin aus: Österreich
HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Saeculum ist im Loewe Verlag erschienen, bestellen kann man es hier

Labels: , , , ,

Freitag @ 6/07/2013
(6) Liebesbekundigungen
Wenn die Gondel leise schaukelt..


Eingeschneit in einer Gondel in der angeblich "sichersten" Seilbahn der Tiroler Alpen, der Kitzbüheler Dreiseil-Umlaufbahn (oder zumindestens der einzigen Seilbahn, die nur einen Stützpfeiler hat) während des heftigsten Orkan des Jahres -  da bekommen die Insassen der Berggondel doch gleich gute Laune.
Unter ihnen ein Kleinkind das pinkeln muss, eine gestresste Mutter die nicht weiß wohin mit sich selbst, ein verliebtes Pärchen das nicht voneinander ablassen kann, zwei junge Teenager, ein Wartungstechniker der Gondelbahn, ein Pfarrer, irgendein dicker Mann und ein zerstrittenes Ehepaar. Was sie alle nicht ahnen: Ein Mörder sitzt unter ihnen. Oder eher: Zwischen ihnen (denn unter der Gondel ist zwar viel Platz, aber auch viel kalte Luft).  Dieser lächelt still in sich hinein und freut sich...

Spannung. Das ist wohl das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an Mortimer M. Müllers Roman "Kabine 14", denke.
Der Schreibstil des Autoren selbst ist einfach, eloquent und passend - die Kapitel selbst sind in relativ kurze Abschnitte gegliedert, welche jeweils die Sicht eines anderen Charakter schildern. Dabei gibt es sehr viele unterschiedliche Perspektiven: Neben ermittelnden Kommissaren gibt es auch einen Meteorologen,  den Leuten, die für die Sicherung der Gondeln zuständig sind, den einzelnen Personen in der Kabine selbst - und dem Mörder. Wobei der Leser stets miträtseln kann, wer denn nun eigentlich der Irre ist... Das ständige Abwarten steigert die Spannung nur noch mehr und führt dazu, dass es wirklich schwerfällt, das Buch wegzulegen. Einzig und allein die doch sehr brutalen und makaberen Szenen aus der Sicht des Killers hätten meiner Meinung nach nicht ganz so detailliert sein müssen.

Die Charaktere des Buches sind dabei ziemlich vielfältig, wenn auch vielleicht nicht ganz vielschichtig - immer wieder hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass viele der Protagonisten zwar sympathisch und zu gewissem Grad autentisch, aber doch etwas klischeehaft wirken. Das quengelnde Kind, die gestresste Mutter - vielleicht sind es gerade solche Typisierungen sowie die Ausgewogenheit mit der derartig viele verschiedene Personen gerade in dieser einen Kabine Nummer 14 versammelt wurden, die diesen Eindruck bei mir erweckten.
Auch gibt es in dem Roman nicht viele längere Monologe, was es den einzelnen Charakteren etwas schwer macht, Tiefe zu erlangen.

Die Geschichte selbst hat viele (spannende) Höhen und Tiefen und ist immer abwechslungsreich und aufregend. Es kommen keine Längen auf und die Story wirkt trotz ihrer Dramatik ziemlich realistisch und nicht konstruiert. Einzig und allein das Ende bereitete mir Probleme - wohl mehr meine persönliche Meinung - aber auf den letzten Seiten des Buches wird klar, dass es eine Fortsetzung geben wird. Und das hätte ich den Charakteren des Buches einfach nicht gewünscht.

Letztendlich ein sehr unterhaltsames und fesselndes Buch das mit einigem Hintergrundwissen über die Seilbahnen der Kitzbüheler Dreiseil-Umlaufbahn sowie meteorologischen Wetterverhältnissen aufwarten und überzeugen kann. Eine absolute Empfehlung an Thriller Fans mit starken Nerven!
          
  
 von
 FÜNF Schneeflocken.

 Eure Meinung zu diesem Thriller? Wäre er etwas für Euch? Oder lest ihr lieber wärmere Lektüren? (:

Titel: Kabine 14
Autor: Mortimer M. Müller
Verlag: Berenkamp
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2013
ISBN: 9783850933070
Autor aus: Österreich
HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Kabine 14 ist im Berenkamp Verlag erschienen, bestellen kann man es hier
Vielen Dank an Mortimer M. Müller,  Lovelybooks 
und natürlich den Verlag für die Bereitstellung des Buches und die Leserunde! (:

Labels: , ,

Montag @ 5/20/2013
(6) Liebesbekundigungen
Numbers - wenn Zahlen dich jagen.


Jem sieht das Datum, an dem andere Menschen sterben - wahrlich keine reine Freude für sie. Ihre Mutter stirbt an Drogenkonsum als sie sieben Jahre alt ist und keine der Pflegeeltern hält es lange mit ihr aus. Doch ihr Einzelgängertum ändert sich, als sie Spinne kennen lernt. Mit ihm erfährt sie, das Freundschaft auch aus Vertrauen besteht und gegenteiliger Anteilnahme.
Als die beiden zufälligerweise am London Eye sind, bemerkt Jem auf einmal das alle Menschen um sie herum die gleichen Zahlen haben - und zwar das Datum vom heutigen Tag. Panisch zieht sie Spinne mit sich -und plötzlich werden die beiden in ganz England gesucht.

Wer denkt, das Buch würde sich mit einer Verfolgungsjagt abgeben, täuscht. Denn das Buch ist wirklich mehr als eine Hetzjagt: Ausführlich nimmt es sich für die Charakterentwicklung der beiden Protagonisten, die unterschiedlicher und gleichzeitig passender (zueinander) nicht sein könnten, Zeit. Die britische Atmosphäre, wenn man es so nennen mag, wird wunderbar (dank schlechtem Wetter und Regengüssen) getroffen und auch die Liebesgeschichte zwischen Spinne und Jem wirkt lebensnah und unkitschig. Einzig auffällig in dem Buch ist die häufige Verwendung der Jugendsprache, doch wer sich daran nicht stört, sollte keine Probleme haben.
Überraschend fand ich die Festlegung des thematischen Schwerpunktes der Autorin: Nicht die Verfolgung der beiden, sondern vielmehr ihre Entwicklung und Zuneigung zueinander liegt im Vordergrund. Dabei wird auf Verschönerungen und romantisierende Elemente komplett verzichtet und die Beziehung der beiden zueinander zwar zärtlich, aber realistisch und authentisch geschildert.

Das Ende des Buches kann man zum einen als abgeschlossene Geschichte, oder aber auch als Cliffhänger zum nächsten Band (es gibt insgesamt 3, wer hätt's gedacht) sehen - da ich keine Generationenübergreifenden Geschichten mag, werde ich die nachfolgenden Bücher leider nicht lesen.
Fazit: Dennoch in sich ist der Roman "Numbers" eine wunderbare lebensechte, unglitzernde, dramatische Geschichte zweier junger Menschen von denen eine leider eine Gabe hat, die das Leben nicht sehr leicht macht. Eine begeisterte Leseempfehlung von mir!

    
von FÜNF Erdbeerbonbons


Titel: Numbers - den Tod im Blick (Band 1)
Autor: Rachel Ward
Verlag: Chicken House
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: 1. Mai 2012
ISBN: 9783551311511
Autorin aus: Großbritannien
Starters ist im Chicken House (Carlsen) Verlag erschienen, bestellen kann man es hier
Point Grunge Brush  von ~gwendo0

Labels: , , , , ,

Donnerstag @ 5/09/2013
(11) Liebesbekundigungen
Thirteen Reasons Why.

 

Hannah ist tot. Und Clay um eine Box mit Kassetten reicher. Zuerst hat der junge Teenager keine Ahnung was es mit dem Paket auf sich hat - doch dann hört er sich die erste Kassette an.. und kann es nicht glauben als er die Stimme seiner heimlichen Liebe und Klassenkameradin Hannah hört, die ihn in den sieben Kassetten darüber aufklärt, wer alles an ihrem Tod Schuld ist und wieso. Clay, stellt schockiert fest, ist einer davon...

ist eines der vielen Jugendbücher die die Themen Mobbing und Selbstmord (passenderweise auch noch Vergewaltigung) thematisieren. Leider nimmt sich das Buch an vielen Stellen sehr viel zu wichtig und versucht zwei Sichtweisen in eine zu pressen. Das erklärt sich so:
Clay, der Erzähler, hört sich Hannahs Kassetten an. Dabei wird in kursiver Schrift dargestellt, was er hört. Ein Beispiel (frei aus der Luft gegriffen):
Mein Name ist Horst. Ich stöpsle die Kopfhörer meiner Oma in den Kassettenrecorder und lausche dem Erzähler des Hörbuches, dass ich mir schon vor Jahren auf dem Trödelmarkt gekauft, aber jetzt erst unter einer Schublade stinkiger Socken wiedergefunden habe. Ach ja, falls sich jemand wundert, ich bin Messi. Und mir gar nicht mal so sicher ob ich genug Geduld für so ein Hörbuch habe.
Nofretete, die ihren Namen nicht umsonst trug, saß in ihrem Wohnzimmer und trank ein Tässchen Tee.
Ach ja, Tee, ich könnte mir auch eine Tasse gönnen. Ich stehe auf und laufe ins Wohnzimmer.
Der Tee schmecke bitter. Sie hielt ihn vom Gesicht weg und verzog die Nase. Dabei sah sie, wie ihr Hund sich streckte und langsam aufwachte. Hatte sie den Teebeutel zu lange dringelassen?
Ich stehe im Wohnzimmer und frage mich, was ich hier soll. Ich drehe ab und schlurfe in die Küche. Unter einer alten Packung MonCherie finde ich eine Pfefferminzteepackung die erst seit drei Jahren abgelaufen ist.
Vielleicht war der Tee auch schon zu alt? Prüfend schnupperte Nofretete an ihrer dampfenden Tasse.
Das Wasser kocht nur langsam im Wasserkocher auf und der Wasserdampf verschwindet in der stickigen Luft der Messiwohnung. Meine Kopfhörer schlackern um mich herum.
Natürlich hat das Beispiel nichts mit dem Inhalt von "Tote Mädchen lügen nicht" zu tun - aber so erging es mir immer wieder beim Lesen. Meine Gedanken verknoteten sich bei den oftmals sehr sprunghaften (und ähnlichen) Übergängen von Clays- zu Hannahsgedankenwelt und ich hatte Schwierigkeiten mich in eine der beiden Personen, waren sie sich doch gar nicht so unähnlich, hineinzuversetzen.

Gerade Hannahs Charakter erschien mir oftmals viel zu taff und sarkastisch, als dass ich ihr ihre Probleme mit sich und der Welt wirklich hätte abnehmen können. Mit einer kleinen Prise Humor zählt sie ausführlich (auf sieben Kassetten) die Personen, denen sie die Schuld an ihrem Selbstmord gibt, auf. Leider finde ich ihre Gefühle hinter ihren Gründen einfach nicht plausibel - klar ist das Thema Mobbing brisant und je nach Individuum unterschiedlich aufzufassen - aber so wie Hannah ihre Gründe schildert, wirkt ihre letztendliche Entscheidung einfach unglaubwürdig.

Ich denke ihr Charakter besitzt einfach nicht genügend Tiefe um mich ihr wirklich nahe zu fühlen - man erfährt wenig über sie, über ihre Familie und hat das Gefühl nicht ganz im Bilde zu sein, denn ein Selbstmord hat bestimmt komplexere Ursachen als nur die Gründe, die sie einem auf den Kassetten liefert. Die Verzweiflung, die sie zu dieser Tat führte, wahr nicht wirklich greifbar.
Ein bisschen hatte ich auch das Gefühl, dass der Autor Jay Asher, der ja selbst zugibt die Idee für den Roman bei einer Audioführung in einem Museum gehabt zu haben, sich mehr mit der Umsetzung und den Statistiken von Selbstmord + Mobbing unter Jugendlichen auseinandergesetzt, als sich wirklich mit der inneren Gefühlswelt einer 17 Jährigen beschäftigt. Das merkt man an einigen Stellen*.
Vielleicht hätte man Hannah auch weniger selbstbewusst darstellen können, oder ihre Erzählungen nicht ständig mit obercoolen Sätzen à la 
"Niemand sollte versuchen aus der Reihe zu tanzen, es gibt genug Kopien von allen Werken. Diese könnten, sollten sie an die Presse gelangen für eine Menge Trubel sorgen, wenn das Paket nicht bei allen ankommt. Seid Euch nicht sicher, nie beobachtete zu werden. Ich könnte schon jetzt, in diesem Augenblick, hinter Euch stehen und Euch über die Schulter schauen.
ausschmücken sollen.  
(keine direkte Zitatangabe, umformuliert das Gleiche ausgedrückt)

Ein anderer Grund für die Oberflächlichkeit der Charaktere könnte die zwispältige und zweigeteilte Sichtweise der kursivgedruckten Hannahgedanken und der Gedankenwelt Clays sein. Entweder oder: 

A) Ich hätte es zum einen angenehmer gefunden Hannah näher zu kommen, in dem ich als Leser dabei bin, wenn sie ihre Kassetten aufnimmt. (Oder ihr Tagebuch schreibt, whatever). 

B) Oder den Erzählungen auf den Tonbändern weniger Beachtung geschenkt, dafür Clays Entwicklung mehr Platz eingeräumt (er hätte zum einen in der Schule ermitteln können: Wie haben seine Mitschüler Hannah wirklich wahrgenommen? Was hat Justin in der Nacht zum Xten getan?).
Andererseits ist die Wirkung, die die Kassetten auf Clay haben, für den Leser sehr reizvoll: Ich mich immer wieder dabei wie ich wirklich Mitleid mit Clay bekam, der so gar keine Ahnung hat, wieso ER denn Schuld haben sollte.

Fazit: Letztendlich bleibt "Tote Mädchen lügen nicht" ein mäßig spannender und emotional oberflächlicher Roman mit seelenloser Umsetzung und einer sehr originellen Idee in der eine Ursache zur anderen führt. 


von FÜNF Teetassen.

*Hannah verpasst sich im Buch eine neue Frisur und merkt im Unterricht, als sie das Thema Suizid behandeln, dass optische Veränderung ein Anzeichen von Selbstmord sein können. Wow. Wie originell.

Titel: Tote Mädchen lügen nicht (13 reasons why).
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt
Seiten: 288
Erscheinungsdatum: 16. März 2009
ISBN: 978-3570160206
Autor aus: den USA
Tote Mädchen lügen nicht ist im cbt Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.

Labels: , , , ,

Sonntag @ 10/21/2012
(12) Liebesbekundigungen
(Not so) Lucky Number Slevin.


Im Film Lucky Number Slevin (oder im deutschen Lucky # Sleven, jaja, Kreativität und so) wird die Hauptperson Slevin durch Zufall in den Krieg der beiden New Yorker Untergrundgrößen "Rabbi" und den "Boss" verwickelt und muss nun irgendwie die ganze Sache unbeschadet überstehen - dabei wollte er eigentlich nur seinen Kumpel Nick in New York besuchen! Natürlich ist damit nicht genug, es hefetet sich auch noch ein nervtötender Polizist (oder nein, in Amerika heisst das ja Cop) und ein berüchtigter Killer namens Goodkat an seine Fersen. 

Ich muss sagen, der Film hat mir (symbolisch, ein Glück nur) Kopfschmerzen bereitet. Ich blogge das ganze ja im Rahmen einer Blogroll von PeteBack und mir - Sonntaglich gemeinsames Fernsehen nennt sich das netterweise. Leider hatte ich nach dem ersten Durchlesen der Inhaltsangabe des Films schon keine richtige Lust mehr ihn zu sehen - dabei tu ich dem Film unrecht, so schlecht ist er nicht. Allerdings wurde ich wieder in meinem Verdacht bestätigt, dass amerikanische Thriller einfach nicht mein Ding sind.
 In Lucky Number Slevin wird geschossen, nicht nur mit Kugeln: Die Dialoge sind gerissen scharf und Slevin selbst ist wirklich nicht auf den Mund gefallen. Das gibt dem Film auch eine Portion Humor - dennoch hat er sehr unerwartete Momente, davon auch einige traurige. Der Film ist eine gute Mischung aus Ernsthaftigkeit und lustigen Senen. Unklare Rollenverteilungen, überraschende Wendungen und Zeitsprünge prägen das Hauptbild des Gesamtwerkes (wow, klingt das professionel!). Trockener Humor und gute Darstellerleistung (sowie gutbesetzte Rollen) geben dem Film den Rest - und mir, da ich irgendwie nicht warm wurde mit den Protagonisten. Immer, wenn ich dachte DER ist mir sympathisch, wurde derjenige entweder umgebracht oder war nicht der, der er zu sein schien. Da mir der rote Faden dann zum Ende hin ganz entglitt, kann ich nur eingestehen, dass mich die Thematik nicht wirklich mitriss - Gangstergeschichten sind selten etwas, was mich begeistert. Und Lucky # Sleven beweist das nur vorzüglich. 
Wer Filme wie "Departed - unter Feinden" mag, wird wohl große Freude an dem Film haben. Meine war es nicht.

VIER von ZEHN Erdbeersternen 

Lucky Number Slevin
Gedreht: 2006
Aus: den USA
Regie: Paul McGuigan
Mit: Josh Hartnett, Bruce Willis, Lucy Liu
Genre: Thriller

Labels: , , ,