Christian hat ein Problem: Er ist Schuld am Tod seines
Zwillingsbruder. Denkt er jedenfalls und meidet seitdem mehr oder
weniger alles un jedem, mit denen er sich länger als nötig unterhalten
könnte.
Zufällig, wie das Schicksal es eben will, trifft er auf dem
kleinen Friedhof seines Heimatortes drei seltsame Gestalten mit
weißgeschminkten Gesichtern: Retrum nennt sich die Clique, die für ihn
in der nächsten Zeit zu seinem neuen Lebensinhalt wird - endlich hat er
Freunde, die auch auf die dunkle Seite des Lebens anstoßen, die ihn
verstehen, er, der gerne Nachts auf Friedhöfen spazieren geht! Doch irgendwann laufen die Dinge aus dem Ruder - und etwas schreckliches geschieht...
"Vier Freunde verbindet eine Leidenschaft: das Spiel mit dem Tod. Doch das Spiel wird zur Gefahr... und dann holt der Tod sie ein. Was als Spaß beginnt, endet tödlich."
(Klappentext)
Retrum ist ein Buch mit einfacher, aber sanfter Sprache
und einer ziemlich cleveren Idee: Durch das Buch zieht sich immer
wieder eine bestimmte Playlist die auf bestimmte Situationen in Chris'
Leben passen. Auf der Website Retrumfans.de kann man sich diese anhören
und mitleben. Eine wunderbare Idee und fabelhaft umgesetzt.
Der Erzählstil des Autoren
ist ruhig und fließend, den Titel "Thriller" wird dem Buch nicht
gerecht: Es ist vielmehr ein Roman über die Entwicklung des
Protagonisten Christians, seine Erlebnisse, den Weg zur eigenen
Identität und über die erste Liebe. Christian erkennt, dass Verliebtsein
nicht einfach ist und dass man mit Trauer auch anders umgehen kann, als
an Selbstmord zu denken. Der Roman schildert eine wichtige Zeit in
seinem Leben die ihn verändert und formt - und hier kommen wir jetzt zu
meinen Problemen mit dem Roman. Den Charakteren: Bis
auf Christian fand ich die Protagonisten des Buches, also im Grunde
genommen Alexia, Alba (die beiden Mädchen, die in Chris' Leben eine
entscheidende Bedeutung spielen) & seinem Vater allesamt eher
oberflächlich und flach beschrieben. Dafür, dass sie zentrale Personen
der Handlung sind, wird ihr Hintergrund kaum beleuchtet und ihre Motive
(gerade gegen Ende des Buches) kaum hinterfragt.
Auch Rolle der
Person des Stadtkünstlers (er hatte einen spanisch klingenden Namen) ist
mir zusehr aus dem Boden gestampft: Auf einmal ist er für Christian
eine wichtige Person und gibt ihm Ratschläge, die der 17 Jährige
benickt? Das geht mir alles zu schnell und ergibt keinen Sinn.
Das Ende des Buches ist
leider wirklich sehr enttäuschend: Die Auflösung der einzigen Sache,
die vielleicht etwas mit dem Genre "Thriller" zu tun haben könnte, ist
meiner Meinung nach zu schnell abgehandelt und wird nicht differenziert
genug erklärt - somit ist sie für mich unlogisch und nicht
nachvollziehbar.
Der Roman Retrum ist ein Jugendportrait,
welches das Potenzial zu mehr hätte, es jedoch nicht vollends
ausschöpft: Dafür sind viele Handlungsstränge zu schnell abgehandelt, in
denen die bereits erwähnten Charaktere mehr Tiefe hätten erlangen
können. Das ist schade.
Fans von spannungsgelandenen Thrillern
werden wohl auch keine Freude an diesem Roman der eher ruhigen Art haben
- dafür macht das Buch optisch eine Menge her, was nicht unbedingt über
gewisse Oberflächlichkeiten hinwegtäuscht.
DREI von fünf Grabsteinen.
Titel: Retrum
Autor: Francesc Miralles
Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 345
Erscheinungsdatum: 20.12.2011
ISBN: 9783785570388
Autor aus: Spanien
Retrum ist im Loewe Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
PS. Tut nix zur Sache, aber heute ist der National Blonde Brownie Day.
Vor sechs Jahren flüchtete der nun fünfzehnjährige Eli in einen unterirdischen Bunker seines
milliardenschweren Vaters - und ist damit wohl einer der wenigen
Überlebenden des nuklearen Angriffs auf die USA. Leider hat es nicht
seine ganze Familie in den Bunker geschafft: Seine Großmutter und sein
Zwillingsbruder Eddy waren zu spät. Besonders der Verlust seines Bruders
schwerzt Eli sehr, da er sich selbst die Schuld daran gibt, dass dieser
nicht mit ihm überleben konnte. Mit jedem verstrichenem Tag, mit jedem
Monat, mit jedem Jahr wird das Zusammenleben mit seiner Familie
schwieriger und unerträglicher - seine Schwestern nerven Eli nur noch,
mit seiner Mutter redet er nur selten und sein Vater fängt an, sich
seltsam zu benehmen...
Der Leser erfährt erst nach und nach mehr über die Hintergründe un
Ereignisse der beschriebenden Situation - das macht das Buch am Anfang
zu einer sehr spannenden und aufreibenden Erlebnis, dass viel
Interpretationsraum für eigene Spekulationen lässt. Die Sprache des Romans ist
einfach und dem jugendlicher Erzähler angepasst. Mit jedem Kapitel
fängt man an, Eli mehr und mehr zu verstehen und zu dem, was er ist -
und wieso er mit seiner Familie so umgeht.
Als Eli dann anfängt, die
Autorität seines Vaters zu hinterfragen, spitzt sich die Situation im
Bunker immer mehr zu - es kommt zu Ereignissen, die mir als Leser den
Mund offen stehen lässt und die ich mir für ein Jugendbuch kaum so
ausgemalt hätte!
Es gibt wenig Beschreibungen in dem Buch und selbst
diese sind sparsam gesetzt - das ist gut so, denn so macht man sich als
Leser ein eigenes sehr lebhaftes Bild von Elis Umgebung und den Figuren.
So sparsam der Autor auch bei der Beschreibung der Szenerie ist, so
wenig hätte er jedoch die restliche Familie auch noch aussparen müssen.
Denn diese bleibt bis zum Schluss zwar skizziert, aber irgendwie
klischeehaft: Lexie, die adoptierte große Schwester, die Eli nicht
leiden kann und alles dafür tut, um von ihrem Adoptivvater geliebt zu
werden und Terese, die "kleine Miss Perfect", die alles kann und immer
die richtigen Entscheidungen trifft.
Die Beweggründe
der einzelnen Figuren sind nicht nur nicht nachvollziehbar sondern
ändern sich auch so sprunghaft, dass es gegen Ende des Buches
unauthentisch wird. Am meisten gestört hat mich die Mutter Elis, die
ständig zwischen der Rolle der starken Frau und dem Bild der
verzweifelten und bemitleidenswerten Frau hin- und herspringt.
Das Buch wird dennoch sehr viele interessante moralische und ethische
Fragen auf - und das auf eine Art und Weise, die fast schon unter die
haut geht. Welche jedoch, werde ich nicht verraten, da dass schon fast
wieder an einen Spoiler grenzen würde. Lediglich das Thema Atomkrieg,
welches man ja vermuten könnte, wird nicht aufgegriffen. Warum auch
immer.
Nicht alles wird am Ende vollständig aufgelöst, aber das tut
der Handlung gut, da so das Bild des Happy Ends etwas aufgelöst wird -
wenn es denn eines gibt, was ich Euch natürlich AUCH nicht verrate,
muhaha!
"Überleben" ist gegen meine Erwartungen kein
gesellschaftskritischer Roman über Kriegstreiben und Survivalstrategien -
stattdessen ist es genau das, was man erwarten sollte: ein Thriller.
Man
bekommt in dem Roman keine tiefschürfende und gut differenzierte
Geschichte sondern gute und spannende Unterhaltung gepaar mit ethischen
Fragen- was gut dazu führen kann, dass man das Buch von S. A. Bodeen ein
paar Stunden (oder Tage) nicht aus der Hand legen können wird!
Christine spürt, wie sich neben ihr jemand regt. Wo ist sie? Schnell
richtet sie sich im Bett auf und hört ihr Rückrad knacken. Wieso fühlt
sie sich, als wäre sie 47?
Weil sie 47 ist. Überraschenderweise denkt
sie jeden Tag, sie wäre 20 und würde neben einem One Night Stand
liegen, einem ollen Lover, der nichts taugt. Bis sie versteht, dass sie
an Amnesie leidet, und der "olle Kerl" neben ihr ihr Mann Ben ist,
vergeht meistens ein bisschen Zeit. Meistens ruft ihr behandelnder Arzt
sie an, und erklärt ihr an den Schrank zu gehen, dort im untersten
Schubfach ein Buch zu finden - ihr Tagebuch. In dem alles steht. Auch
der kleine Satz "Vertrau Ben nicht!".
Ein Unfall soll es gewesen
sein, aufgrund dessen Christine ihr Gedächtnis verloren hat und zudem
ihre Fähigkeit, neue Informationen zu speichern. Sobald der Schlaf
Christine übermannt, vergisst sie alles, was sie am Tag zuvor gelernt
hat.
"Ich.Darf.Nicht.Schlafen." ist zu erst einmal eine sehr
schlechte Titelübersetzung. Der Originaltitel "Before I sleep" trifft da
schon eher, was Christine jeden Tag durchleben muss. Der Roman ist
ziemlich originell - ein Buch über Amnesie habe ich bisher noch nie
gelesen, und S. J. Watson schafft es mit seinem trockenen und sachlichen
Erzählstil eine traurige Geschichte zu schreiben. Der jedoch, wenn man
genauer hinschaut, meiner Meinung nach die tiefgründigen Gefühle fehlen -
zwar wird die Verzweiflung Christines jeden Tag zu VERGESSEN sehr gut
getroffen, aber auf positive Gefühle wartet der Leser lange. Die werden
nämlich im Gegensatz zu den negativen sehr schwach dargestellt.
Christine bleibt so, wie sie zu anfangs ist: blass. Sie vergisst
viel, und das mag man einem an Amnesie leidenden Charakter auch (hoch?)
anrechnen, aber viel mehr Tiefgründigkeit kann man auch gegen Ende des
Buches nicht von ihr erwarten.
Eine weitere Problematik des
Buches war ohne zu fragen das Ende - es war zwar gut durchdacht und
logisch aber nichtsdestotrotz komplett übertrieben und
überdramatisiert. Hier zeigt sich nochmal deutlicher, was ich eben
erwähnt hatte - Christine tut Dinge, die ich nicht nachvollziehen konnte
und irgendwie kam mir der Gedanke, dass sich der (männliche, recht
junge und nicht 47 jährige) Autor einfach nicht genug in eine 47 jährige
Frau hineinversetzen konnte.
Positiv war jedoch die Handlung
des Buches: Sie widerholt sich oft, ist eintönig, was der Thematik aber
nur recht gibt und den monotonen Alltag Christines unterstreicht.
Dennoch wird es nicht wirklich langweilig, da die Spannung gegen Ende
steigt.
Letztendlich ist "Ich.Darf.Nicht.Schlafen." ein
überraschend gutes, aber nicht konsequent überzeugendes Buch über ein
sehr originelles und bestimmt nicht einfaches Thema. Wer Thriller mag
(und entgegen der bisher gelesenen Meinung finde ich sehr, dass es ein
Thriller ist) und Brighton liebt (<3), ist hier gut beraten. Wer
nicht, der lieber nicht.
DREI von fünf Erdbeerpunkten.
Titel: Ich.Darf.Nicht.Schlafen.
Autoren: S.J. Watson
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 464
Erscheinungsdatum: 23.08.2011
ISBN: 9783651000087
Autor aus: Großbritannien
Ich.Darf.Nicht.Schlafen. ist im Scherz Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Sieben Jugendliche und 6 Portale, die in die rettende nächste Welt
führen. Keiner von ihnen erinnert sich an seine Vergangenheit, alle
wachen sie nackt im Kornfeld auf und müssen herausfinden, wo sie sind, wer
sie sind und was ihre Aufgabe ist. Nachdem (sie ihre Kleidung gefunden
haben) sich sammeln, bekommen sie nach und nach die vollen Ausmaße ihrer
Aufgabe zu spüren: Gejagt von seltsamen Kreaturen müssen sie
zusammenhalten, um zu überleben - aber geht das überhaupt? Kann man den anderen trauen? Und wieso gibt es am
Ende der 'Prüfung' dann ein Tor weniger als Gruppenmitglieder, das heisst doch von vornerein, dass sie sich entscheiden müssen, wer hierbleibt?
"Das
Labyrinth erwacht" war kein sehr überzeugender Roman. Nein, ganz im
Gegenteil: Es brauchte mich gar nicht zu überzeugen, da es von Anfang an
fesselnd und authentisch war. Die lebendige Wortwahl und die häufigen
(aber nicht unübersichtlichen) Perspektivwechsel des Autors machen den
Roman zu einer absoluten Leseempfehlung von einem Thriller (obwohl eine
Genreeinordnung nicht so leicht ist, da das Buch auch Science-Fiction
bzw. Postapokalyptische sowie Fantasyelemente enthält). Und das sage ich nicht, weil ich gesponsert wurde oder so! Nein,
es war eher schwierig, an ein günstiges Exemplar zu kommen, weil wohl
niemand dieses Buch einfach so hergeben möchte (; Aber nun zu meinen anderen Punkten.
Die Handlung: Einfach und simpel, aber sehr
überzeugend. Die sieben Jugendlichen folgen einem Stern, der sie zu den
Portalen führt. Viel mehr wissen sie nicht und auch der Leser bekommt
nicht viel mehr Einblick als zum Zeitpunkt des augenblicklichen Geschehens - das macht das Lesen jedoch nur umso
spannender, weil man nicht umherkommt mitzurätseln.
Die
Charaktere: Jenna, Jeb, Tian, Kathy, Mary, Leon und Mischa sind alle
sehr unterschiedlich und doch authentische Jugendliche. Allerdings gab
es hier und da Punkte, an denen ich mich über die leicht einseitige
Darstellung wunderte - um einige Seiten später (wenn die Perspektive
sich wieder demjenigen widmete) den Charakter besser beleuchtet zu
bekommen und zu verstehen. Die Darstellung der Charaktere ist also nicht
klischeebeladen und keineswegs oberflächlich. Sie ist vielleicht nicht philosophisch worteschwer, aber auch nicht eindeutig "schwarz" oder
"weiß". Jede auftretende Person ist irgendwie
ambivalent und es fällt nicht leicht sie in irgendeine Form zu pressen.
Der Zusammenhalt der Gruppe bekommt, je länger sie unterwegs sind, immer mehr Bedeutung innerhalb des Plots und wird anschaulich vom Autor beschrieben.
Zu
Ende des Buches bleiben viele Fragen offen: Wieso ist im Titel von
einem Labyrinth die Rede? Was passiert mit den Jugendlichen? Wie geht es
weiter? Ein fieser Cliffhänger bleibt bis zum 20. August bestehen -
dann kommt der zweite Teil der Trilogie ("Das Labyrinth jagt dich")
heraus und ich kann weiterfiebern. <3
Fazit: Ein wunderbar
spannendes und emotional tiefgründiges Buch mit tollen Charakteren und
einer einfachen, aber genialen Storyline. Lesen bitte!
FÜNF von fünf Erdbeeren.
Titel: Das Labyrinth erwacht
Autor:Rainer Wekwerth
Verlag: Arena Verlag
Seiten: 408
Erscheinungsdatum: 10.01.2013
ISBN: 978-3401067889
Autor aus: Deutschland
Das Labyrinth erwacht ist im Arena Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Ähm.. ich lebe noch.. ja! Ich hatte nur irgendwie keine Motivation zu bloggen. Kennt Ihr das auch? Bestimmt. Bevor ich noch melancholisch werde langweile ich Euch lieber mit einer Buchrezension!
"Hannes sah nach recht und nach links. Ein paar Fenster in den
gegenüberliegenden Häusern standen offen, aber niemand sah heraus,
nirgends waren Fernseh- oder Radiogeräusche zu hören. Keiner schimpfte,
keiner lachte, keiner heulte. Nichts. Einfach gar nichts." (S.73)
Vier Orte, fünf Jugendliche und eine menschenleere Welt: Für Hannes,
Tamara, Alissa, Leon und Kora steht die Welt auf einmal still. Tamara
nickt im Zug kurz ein und findet sich auf einmal auf menschenleerer
Steppe wieder. Alissa und Leon machen ein Picknick im Wald, als ihre
Freunde auf einmal nicht wieder auftauchen. Sie kennen sich (noch) nicht
und lernen doch gemeinsam, was es heisst, alleine zu sein.
Vakuum
ist ein bedrückender Thriller der Autorin Antje Wagner der es umgehend
gelingt den Leser in ihrer Geschichte zu verwickeln und die Charaktere
der Jugendlichen authentisch zum Leben zu erwecken. Die Geschichte wird
abwechselnd aus der Sicht der fünf Teenager geschildert (die sich vom
Alter teilweise sehr unterscheiden). Dabei gibt jedes Kapitel neue
Geheimnisse preis, die der Leser mitentschlüsseln kann und darf: Denn
das macht den Reiz dieses Buches aus!
Eine große Stärke des Buches
sind, wie erwähnt, die Charaktere des Buches, die die Autorin (nach
eigener Aussage in einer Leserunde auf Lovelybooks) etwa ein Jahr lang
entwickelt und sie durch ihre Wünsche, Ängste und Eigenschaften lebendig
hat werden lassen, bevor sie mit dem Schreiben an "Vakuum" begann. Und
dies merkt man sehr!
Sprachlich hat die Autorin einen lockeren
Schreibstil der sich sehr gut lesen lässt. Besonders berührt hat mich in
dem Buch, wie die Autorin verschiedenartige und komplexe Thematiken
wie Freundschaft, Tod oder Krankheiten anspricht, ohne sie explizit
auszusprechen oder eine Moral zu definieren. Dies, so meine Meinung,
macht das Buch auch besonders für erwachsene Leser interessant.
Insgesamt
ist "Vakuum" ein durch und durch spannender und anspruchsvoller Roman
der den Leser nicht nur durch liebenswerte Charaktere in seinen Bann
zieht, sondern auch seine unheimliche und ergreifende Atmosphäre.
fünf von FÜNF Sternen! :D
Titel: Vakuum
Autorin:Antje Wagner
Verlag: Bloomsbury
Seiten: 304
Erscheinungsdatum: 1. 09. 2012
ISBN: 9783827054371
Autorin aus: Deutschland
Vakuumist im Bloomsbury erschienen, bestellen kann man es hier.
Aimee Gannon, Psychologin, wird hinzugezogen als eine ihrer jüngere Patientinnen Taylor blutend und ziemlich sprachlos neben ihren brutal ermordeten Eltern aufgefunden wird. Aimee glaubt an die Unschuld der jungen Frau und fängt mit dem Detective Josh Wolf an zu ermitteln. Die Psychologin selbst hat natürlich auch an einem Trauma aus früherer Zeit zu nagen.
Leider ist das Buch mehr als Thriller oder Krimi. Nämlich auch eine Liebesgeschichte zwischen Detektiv und Psychologin - dieser "hilft" ihr dann, ihr "Trauma" zu verabeiten. Ja. Ist genauso scheinheilig beschrieben wie es sich anhört.
Die Autorin entschieidet sich in "Im Netz der Angst" für einen sehr kleinen Kreis aus Verdächtigen. Dabei bekommt man als Leser viel von der Gedankenwelt des Täters mit. An sich kein schlechter Grundgedanke - allerdings kann man sich so schon schnell klamüsern, wer der Täter sein könnte, was den ganzen Roman im Hinblick auf den doch interessanten Fall etwas Spannung nimmt. Tarnende Handlungsstränge oder fehlführende Fährten sucht man vergebens.
Die Liebesgeschichte im Roman ist auch an sich nichts negatives - nur wirkte sie in diesem Falle irgendwie etwas fehl am Platz, da es "Im Netz der Angst" auch um das sensible Thema Pädophilie geht, welches dementsprechend oberflächlich behandelt wird. (Zudem waren die hier beschriebenen romantischen Szenen sehr detailliert und ausführlich. Da fragt man sich spontan: Warum? Was hat das mit einem Thriller zu tun?)
Der Ermittler Josh selbst ist der Inbegriff einer Klischeebeschreibung: Breite Schultern, maskulin bis zum Po, groß und machomäßiges Auftreten. Nun, er ist einfach nicht der hellste Stern am Himmel. Taylor (das "Opfer") hingegen ist vielschichtiger: Ihre charakterliche Entwicklung ist spannend und packend erzählt.
Aimee Gannon widerum ist weder Fisch noch Vogel, zum einen eine starke Frau die mit den brutalsten Beschreibungen klar kommt, zum anderen eine ziemlich unprofessionel wirkende Frau die sehr gefühlsgesteuert (anders kann ich mir ihre Handlungen nicht erklären) ist.
Gegen Ende des Buches tritt ein neuer Verdächtiger in die Plotline - und bringt den Fall rasant zum Abschluss. Wenig überraschend und recht vorhersehbar endet das Buch dann ziemlich schnell.
Ein Thriller ist "Im Netz der Angst" für mich daher nicht zu wenig fesselnd und zu vorhersehbar- eher eine Liekrigeschichte (Liebe + Krimi = LiKri). Naja. Leider nicht ganz mein Geschmack, von daher gibt es von mir nur
ZWEI von FÜNF Sternen.
Fazit: Ein sehr mittelmäßiger Roman dem es an Spannung fehlt.
Titel: Im Netz der Angst
Autor: Eileen Carr
Verlag: Lyx Egmont
Seiten: 352
Erscheinungsdatum: 11. April 2013
ISBN: 978-3802590986
Autorin aus: den USA HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Bastian ist ein ziemlicher Streber der am liebsten über seinen Büchern
hokt und für sein Medizinstudium lernt - bis er Sandra kennen lernt. Die
nimmt ihn nämlich spontan auf einen Mittelaltermarkt mit, in einer
Welt, die er so noch nicht kennen gelernt hat. Plötzlich findet er sich
zwischen kämpfenden Rittern, Marktweibern und Ledertaschen wieder und
weiß kaum, wie ihm geschieht. Als Sandra ihn dann auch noch überreden
will an einer Convention ihrer Freunde, deren Live-Rollenspielgruppe
sich Saeculum nennt, teilzunehmen, ist er erst mal skeptisch. Mit
Rollenspiel kennt er sich eigentlich nicht so aus, und mit der Zeit vor
dem 14. Jahrhundert auch nicht (denn das ist die Zeit, auf
die
Saeculum sich spezialisiert hat). Die Tatsache auf der
Convention mehr Zeit mit Sandra verbringen zu können klingt allerdings
ganz verlockend..
also schlägt er ein - auch wenn das heisst, für ganze
fünf Tage auf alle Angenehmlichkeiten des modernen Alltags verzichten zu
müssen. Im Wald, ohne Zelt, nur mit Decken, altertümlichen Kleidern und
etwas Essgeschirr bestückt, zusammen mit anderen Rollenspielern die an
so etwas mehr oder weniger schon gewohnt sind. Doch die Tage verlaufen
anders, als das Organisationsteam der Convention sie geplant hatten -
die Gegend, in der sie spielen wollen, findet nämlich in einem angeblich
verfluchtem Gebiet statt..
Die Autorin Ursula Poznanski widmet
sich gerne ungewöhnlichen Themen wie hier, dem Rollenspiel. Da ich
selber auch Rollenspiel betreibe war die Perspektive für mich, ganz im
Gegensatz zu Bastian oder den meisten Lesern (wenn man Lovelybooks glauben schenkt), eine andere - und doch verschlang Saeculum mich
sofort und zog mich in seinen Bann. Die Handlung nimmt sich Zeit und es
fiel mir trotz meiner Vorurteile (Wird die Rollenspielszene klischeehaft, typitisiert oder übertrieben dargestellt? Kann jemand, der damit nicht zu tun hat, etwas anfangen und Vorurteile vielleicht sogar abbauen?) sehr leicht mich in den etwas
misstrauischem Bastian, der sich auf fünf Tage Spiel und Spaß (wenn auch
mit etwas seltsamen Leuten) freut, hineinzuversetzen.
Solche
Gedanken (wie er sie hat) kennt man vielleicht, wenn man selber schon
mal Rollenspielern begegnet ist - wie schaffen sie es, sich ständig mit
"Ihr" anzusprechen und dabei ernst zu bleiben? Magische Artefakte suchen
und Aufträge von einem höhergestellten Ritter annehmen? Ehrlich? Albern? Doch
wenn man keine Probleme hat in eine selbst ausgedachte Rolle zu
schlüpfen fällt es leicht mitzumachen und Spaß am Rollenspiel zu
bekommen.
Zu meinem größten Erstaunen geht Poznanski sehr
behutsam an das Thema des Rollenspiels heran und bedient sich keinen
ausgelatschten Klischees - sie ist nie wertend und bleibt stets dicht an
der Perspektive von Bastian, dem das alles zwar komisch, aber dennoch
amüsant erscheint.
Die Geschichte selbst ist (abgesehen davon, dass
sie spannend ist) sehr gut durchdacht und wirkt keinstenfalls
konstruiert oder unlogisch - erst am Ende wird einem die Bedeutung von
allem klar, nichts ist vorhersehbar und doch kann man als Leser
wunderbar miträtseln - dabei gibt es stets zwei Seiten: Ist die Gegend
nun verflucht oder übertreibt die selbstgewählte Hellseherin Doro
maßlos?
Die Charaktere des Buches sind wunderbar authentisch und
wirken sehr lebensecht - sofort entwickelt man Sympathien bzw.
Dissympathien die jedoch je nach Handlung und Entscheidung der Spieler
hie und da wieder umgeworfen werden so dass man sich selbst mit einem
ständigen Perspektivwechsel konfrontiert sieht. Letztendlich ist jede
Figur in Saeculum wichtig und trägt zur Handlung bei. Diese Gewichtung
merkt man der Gesichte an, ohne dass sie belastend und zu ernst wirkt.
Der
Ausgang der Geschichte beruhte schlussendlich auf so vielen
Kleinigkeiten und Details, die einem erst „vor Ort“ wie Schuppen von den
Augen fallen.
Die Sprache Saeculums ist ein weiterer wichtiger
Bestandteil der Atmosphäre dieses Werkes - die Beschreibungen der
Landschaft und der handelnden Personen sowie der lockere Umgang mit der
Jugendsprache die ständig emotionalen Spannungen unterliegt, gelingen der
Autorin hervorragend.
Fazit: Saeculum überzeugt durch einen
sehr gut durchdachtem Plot, ein sehr originelles Setting und brillianten
Protagonisten - ein Werk, an dem ich absolut nichts auszusetzen habe,
und das ich jedem Fan von Spannungs- und Emotionsgeladenen Geschichten
sowie tiefgründigen Charakteren weiterempfehlen werde.
Auch
Rollenspielern und Larpern sei dieses Buch ans Herz gelegt, da es ein
wunderbarer Beweis dafür ist, dass auch Nicht-Rollenspieler
vorurteilsfreie Werke schreiben können.
von FÜNF Bambis.
Titel: Saeculum
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
Seiten: 496
Erscheinungsdatum: 1. November 2011
ISBN: 9783785570289
Autorin aus: Österreich HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Saeculum ist im Loewe Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Eingeschneit in einer Gondel in der angeblich
"sichersten" Seilbahn der Tiroler Alpen, der Kitzbüheler
Dreiseil-Umlaufbahn (oder zumindestens der einzigen Seilbahn, die nur
einen Stützpfeiler hat) während des heftigsten Orkan des Jahres - da
bekommen die Insassen der Berggondel doch gleich gute Laune.
Unter
ihnen ein Kleinkind das pinkeln muss, eine gestresste Mutter die nicht
weiß wohin mit sich selbst, ein verliebtes Pärchen das nicht voneinander
ablassen kann, zwei junge Teenager, ein Wartungstechniker der
Gondelbahn, ein Pfarrer, irgendein dicker Mann und ein zerstrittenes
Ehepaar. Was sie alle nicht ahnen: Ein Mörder sitzt unter ihnen. Oder
eher: Zwischen ihnen (denn unter der Gondel ist zwar viel Platz, aber
auch viel kalte Luft). Dieser lächelt still in sich hinein und freut
sich...
Spannung. Das ist wohl das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an Mortimer M. Müllers Roman "Kabine 14", denke.
Der
Schreibstil des Autoren selbst ist einfach, eloquent und passend - die
Kapitel selbst sind in relativ kurze Abschnitte gegliedert, welche
jeweils die Sicht eines anderen Charakter schildern. Dabei gibt es sehr
viele unterschiedliche Perspektiven: Neben ermittelnden Kommissaren gibt
es auch einen Meteorologen, den Leuten, die für die Sicherung der
Gondeln zuständig sind, den einzelnen Personen in der Kabine selbst -
und dem Mörder. Wobei der Leser stets miträtseln kann, wer denn nun
eigentlich der Irre ist... Das ständige Abwarten steigert die Spannung
nur noch mehr und führt dazu, dass es wirklich schwerfällt, das Buch
wegzulegen. Einzig und allein die doch sehr brutalen und makaberen
Szenen aus der Sicht des Killers hätten meiner Meinung nach nicht ganz
so detailliert sein müssen.
Die Charaktere des Buches sind dabei
ziemlich vielfältig, wenn auch vielleicht nicht ganz vielschichtig -
immer wieder hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass viele der
Protagonisten zwar sympathisch und zu gewissem Grad autentisch, aber
doch etwas klischeehaft wirken. Das quengelnde Kind, die
gestresste Mutter - vielleicht sind es gerade solche Typisierungen sowie
die Ausgewogenheit mit der derartig viele verschiedene Personen gerade
in dieser einen Kabine Nummer 14 versammelt wurden, die diesen Eindruck
bei mir erweckten.
Auch gibt es in dem Roman nicht viele längere Monologe, was es den einzelnen Charakteren etwas schwer macht, Tiefe zu erlangen.
Die
Geschichte selbst hat viele (spannende) Höhen und Tiefen und ist immer
abwechslungsreich und aufregend. Es kommen keine Längen auf und die
Story wirkt trotz ihrer Dramatik ziemlich realistisch und nicht
konstruiert. Einzig und allein das Ende bereitete mir Probleme - wohl
mehr meine persönliche Meinung - aber auf den letzten Seiten des Buches
wird klar, dass es eine Fortsetzung geben wird. Und das hätte ich den
Charakteren des Buches einfach nicht gewünscht.
Letztendlich ein
sehr unterhaltsames und fesselndes Buch das mit einigem
Hintergrundwissen über die Seilbahnen der Kitzbüheler
Dreiseil-Umlaufbahn sowie meteorologischen Wetterverhältnissen aufwarten
und überzeugen kann. Eine absolute Empfehlung an Thriller Fans mit starken Nerven!
von
FÜNF Schneeflocken.
Eure Meinung zu diesem Thriller? Wäre er etwas für Euch? Oder lest ihr lieber wärmere Lektüren? (:
Titel: Kabine 14
Autor: Mortimer M. Müller
Verlag: Berenkamp
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2013
ISBN: 9783850933070
Autor aus: Österreich HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Kabine 14 ist im Berenkamp Verlag erschienen, bestellen kann man es hier. Vielen Dank an Mortimer M. Müller, Lovelybooks
und natürlich den Verlag für die Bereitstellung des Buches und die Leserunde! (:
Jem sieht das Datum, an dem andere Menschen sterben - wahrlich keine reine Freude für sie. Ihre Mutter stirbt an
Drogenkonsum als sie sieben Jahre alt ist und keine der Pflegeeltern
hält es lange mit ihr aus. Doch ihr Einzelgängertum ändert sich, als
sie Spinne kennen lernt. Mit ihm erfährt sie, das Freundschaft auch aus Vertrauen besteht und gegenteiliger Anteilnahme.
Als die beiden zufälligerweise am
London Eye sind, bemerkt Jem auf einmal das alle Menschen um sie herum
die gleichen Zahlen haben - und zwar das Datum vom heutigen Tag. Panisch zieht sie Spinne mit sich -und plötzlich werden die beiden in ganz England gesucht.
Wer denkt, das
Buch würde sich mit einer Verfolgungsjagt abgeben, täuscht. Denn das
Buch ist wirklich mehr als eine Hetzjagt: Ausführlich nimmt es sich für
die Charakterentwicklung der beiden Protagonisten, die unterschiedlicher
und gleichzeitig passender (zueinander) nicht sein könnten, Zeit. Die
britische Atmosphäre, wenn man es so nennen mag, wird wunderbar (dank
schlechtem Wetter und Regengüssen) getroffen und auch die
Liebesgeschichte zwischen Spinne und Jem wirkt lebensnah und unkitschig.
Einzig auffällig in dem Buch ist die häufige Verwendung der
Jugendsprache, doch wer sich daran nicht stört, sollte keine Probleme
haben.
Überraschend fand ich die Festlegung des thematischen
Schwerpunktes der Autorin: Nicht die Verfolgung der beiden, sondern
vielmehr ihre Entwicklung und Zuneigung zueinander liegt im Vordergrund.
Dabei wird auf Verschönerungen und romantisierende Elemente komplett
verzichtet und die Beziehung der beiden zueinander zwar zärtlich, aber
realistisch und authentisch geschildert.
Das Ende des Buches
kann man zum einen als abgeschlossene Geschichte, oder aber auch als
Cliffhänger zum nächsten Band (es gibt insgesamt 3, wer hätt's gedacht)
sehen - da ich keine Generationenübergreifenden Geschichten mag, werde
ich die nachfolgenden Bücher leider nicht lesen. Fazit: Dennoch in sich ist der
Roman "Numbers" eine wunderbare lebensechte, unglitzernde, dramatische
Geschichte zweier junger Menschen von denen eine leider eine Gabe hat,
die das Leben nicht sehr leicht macht. Eine begeisterte Leseempfehlung
von mir!
Hannah ist tot. Und Clay um eine Box mit Kassetten reicher. Zuerst hat
der junge Teenager keine Ahnung was es mit dem Paket auf sich hat - doch
dann hört er sich die erste Kassette an.. und kann es nicht glauben als
er die Stimme seiner heimlichen Liebe und Klassenkameradin Hannah hört,
die ihn in den sieben Kassetten darüber aufklärt, wer alles an ihrem
Tod Schuld ist und wieso. Clay, stellt schockiert fest, ist einer
davon...
ist eines der vielen
Jugendbücher die die Themen Mobbing und Selbstmord (passenderweise
auch noch Vergewaltigung) thematisieren. Leider nimmt sich das
Buch an vielen Stellen sehr viel zu wichtig und versucht zwei
Sichtweisen in eine zu pressen. Das erklärt sich so:
Clay, der Erzähler, hört sich Hannahs Kassetten an. Dabei wird in kursiver Schrift dargestellt, was er hört. Ein Beispiel (frei aus der Luft gegriffen):
Mein Name ist Horst. Ich stöpsle die Kopfhörer meiner Oma in den Kassettenrecorder und lausche dem Erzähler des Hörbuches, dass ich mir schon vor Jahren auf dem Trödelmarkt gekauft, aber jetzt erst unter einer Schublade stinkiger Socken wiedergefunden habe. Ach ja, falls sich jemand wundert, ich bin Messi. Und mir gar nicht mal so sicher ob ich genug Geduld für so ein Hörbuch habe. Nofretete, die ihren Namen nicht umsonst trug, saß in ihrem Wohnzimmer und trank ein Tässchen Tee.
Ach ja, Tee, ich könnte mir auch eine Tasse gönnen. Ich stehe auf und laufe ins Wohnzimmer. Der Tee schmecke bitter. Sie hielt ihn vom Gesicht weg und verzog die Nase. Dabei sah sie, wie ihr Hund sich streckte und langsam aufwachte. Hatte sie den Teebeutel zu lange dringelassen?
Ich stehe im Wohnzimmer und frage mich, was ich hier soll. Ich drehe ab und schlurfe in die Küche. Unter einer alten Packung MonCherie finde ich eine Pfefferminzteepackung die erst seit drei Jahren abgelaufen ist. Vielleicht war der Tee auch schon zu alt? Prüfend schnupperte Nofretete an ihrer dampfenden Tasse.
Das Wasser kocht nur langsam im Wasserkocher auf und der Wasserdampf verschwindet in der stickigen Luft der Messiwohnung. Meine Kopfhörer schlackern um mich herum.
Natürlich hat das Beispiel nichts mit dem Inhalt von"Tote Mädchen lügen nicht" zu tun - aber so erging es mir immer wieder beim Lesen. Meine Gedanken verknoteten sich bei den oftmals sehr sprunghaften (und ähnlichen) Übergängen von Clays- zu Hannahsgedankenwelt und ich hatte Schwierigkeiten mich in eine der beiden Personen, waren sie sich doch gar nicht so unähnlich, hineinzuversetzen.
Gerade Hannahs Charakter erschien mir oftmals viel zu taff und sarkastisch, als dass ich ihr ihre Probleme mit sich und der Welt wirklich hätte abnehmen können. Mit einer kleinen Prise Humor zählt sie ausführlich (auf sieben Kassetten) die Personen, denen sie die Schuld an ihrem Selbstmord gibt, auf. Leider finde ich ihre Gefühle hinter ihren Gründen einfach nicht plausibel - klar ist das Thema Mobbing brisant und je nach Individuum unterschiedlich aufzufassen - aber so wie Hannah ihre Gründe schildert, wirkt ihre letztendliche Entscheidung einfach unglaubwürdig.
Ich denke ihr Charakter besitzt einfach nicht genügend Tiefe um mich ihr wirklich nahe zu fühlen - man erfährt wenig über sie, über ihre Familie und hat das Gefühl nicht ganz im Bilde zu sein, denn ein Selbstmord hat bestimmt komplexere Ursachen als nur die Gründe, die sie einem auf den Kassetten liefert. Die Verzweiflung, die sie zu dieser Tat führte, wahr nicht wirklich greifbar.
Ein bisschen hatte ich auch das Gefühl, dass der Autor Jay Asher, der ja selbst zugibt die Idee für den Roman bei einer Audioführung in einem Museum gehabt zu haben, sich mehr mit der Umsetzung und den Statistiken von Selbstmord + Mobbing unter Jugendlichen auseinandergesetzt, als sich wirklich mit der inneren Gefühlswelt einer 17 Jährigen beschäftigt. Das merkt man an einigen Stellen*.
Vielleicht hätte man Hannah auch weniger selbstbewusst darstellen können, oder ihre Erzählungen nicht ständig mit obercoolen Sätzen à la
"Niemand sollte versuchen aus der Reihe zu tanzen, es gibt genug Kopien von allen Werken. Diese könnten, sollten sie an die Presse gelangen für eine Menge Trubel sorgen, wenn das Paket nicht bei allen ankommt. Seid Euch nicht sicher, nie beobachtete zu werden. Ich könnte schon jetzt, in diesem Augenblick, hinter Euch stehen und Euch über die Schulter schauen.
ausschmücken sollen. (keine direkte Zitatangabe, umformuliert das Gleiche ausgedrückt)
Ein anderer Grund für die Oberflächlichkeit der Charaktere könnte die zwispältige und zweigeteilte Sichtweise der kursivgedruckten Hannahgedanken und der Gedankenwelt Clays sein. Entweder oder:
A) Ich hätte es zum einen angenehmer gefunden Hannah näher zu kommen, in dem ich als Leser dabei bin, wenn sie ihre Kassetten aufnimmt. (Oder ihr Tagebuch schreibt, whatever).
B) Oder den Erzählungen auf den Tonbändern weniger Beachtung geschenkt, dafür Clays Entwicklung mehr Platz eingeräumt (er hätte zum einen in der Schule ermitteln können: Wie haben seine Mitschüler Hannah wirklich wahrgenommen? Was hat Justin in der Nacht zum Xten getan?).
Andererseits ist die Wirkung, die die Kassetten auf Clay haben, für den Leser sehr reizvoll: Ich mich immer wieder dabei wie ich wirklich Mitleid mit Clay bekam, der so gar keine Ahnung hat, wieso ER denn Schuld haben sollte.
Fazit: Letztendlich bleibt "Tote Mädchen lügen nicht" ein mäßig spannender und emotional oberflächlicher Roman mit seelenloser Umsetzung und einer sehr originellen Idee in der eine Ursache zur anderen führt.
von FÜNF Teetassen.
*Hannah verpasst sich im Buch eine neue Frisur und merkt im Unterricht, als sie das Thema Suizid behandeln, dass optische Veränderung ein Anzeichen von Selbstmord sein können. Wow. Wie originell.
Titel: Tote Mädchen lügen nicht (13 reasons why).
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt
Seiten: 288
Erscheinungsdatum: 16. März 2009
ISBN: 978-3570160206
Autor aus: den USA
Tote Mädchen lügen nicht ist im cbt Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Im Film Lucky Number Slevin (oder im deutschen Lucky # Sleven, jaja, Kreativität und so) wird die Hauptperson Slevin durch Zufall in den Krieg der beiden New Yorker Untergrundgrößen "Rabbi" und den "Boss" verwickelt und muss nun irgendwie die ganze Sache unbeschadet überstehen - dabei wollte er eigentlich nur seinen Kumpel Nick in New York besuchen! Natürlich ist damit nicht genug, es hefetet sich auch noch ein nervtötender Polizist (oder nein, in Amerika heisst das ja Cop) und ein berüchtigter Killer namens Goodkat an seine Fersen.
Ich muss sagen, der Film hat mir (symbolisch, ein Glück nur) Kopfschmerzen bereitet. Ich blogge das ganze ja im Rahmen einer Blogroll von PeteBack und mir - Sonntaglich gemeinsames Fernsehen nennt sich das netterweise. Leider hatte ich nach dem ersten Durchlesen der Inhaltsangabe des Films schon keine richtige Lust mehr ihn zu sehen - dabei tu ich dem Film unrecht, so schlecht ist er nicht. Allerdings wurde ich wieder in meinem Verdacht bestätigt, dass amerikanische Thriller einfach nicht mein Ding sind.
In Lucky Number Slevin wird geschossen, nicht nur mit Kugeln: Die Dialoge sind gerissen scharf und Slevin selbst ist wirklich nicht auf den Mund gefallen. Das gibt dem Film auch eine Portion Humor - dennoch hat er sehr unerwartete Momente, davon auch einige traurige. Der Film ist eine gute Mischung aus Ernsthaftigkeit und lustigen Senen. Unklare Rollenverteilungen, überraschende Wendungen und Zeitsprünge prägen das Hauptbild des Gesamtwerkes (wow, klingt das professionel!). Trockener Humor und gute Darstellerleistung (sowie gutbesetzte Rollen) geben dem Film den Rest - und mir, da ich irgendwie nicht warm wurde mit den Protagonisten. Immer, wenn ich dachte DER ist mir sympathisch, wurde derjenige entweder umgebracht oder war nicht der, der er zu sein schien. Da mir der rote Faden dann zum Ende hin ganz entglitt, kann ich nur eingestehen, dass mich die Thematik nicht wirklich mitriss - Gangstergeschichten sind selten etwas, was mich begeistert. Und Lucky # Sleven beweist das nur vorzüglich.
Wer Filme wie "Departed - unter Feinden" mag, wird wohl große Freude an dem Film haben. Meine war es nicht.
Christian hat ein Problem: Er ist Schuld am Tod seines
Zwillingsbruder. Denkt er jedenfalls und meidet seitdem mehr oder
weniger alles un jedem, mit denen er sich länger als nötig unterhalten
könnte.
Zufällig, wie das Schicksal es eben will, trifft er auf dem
kleinen Friedhof seines Heimatortes drei seltsame Gestalten mit
weißgeschminkten Gesichtern: Retrum nennt sich die Clique, die für ihn
in der nächsten Zeit zu seinem neuen Lebensinhalt wird - endlich hat er
Freunde, die auch auf die dunkle Seite des Lebens anstoßen, die ihn
verstehen, er, der gerne Nachts auf Friedhöfen spazieren geht! Doch irgendwann laufen die Dinge aus dem Ruder - und etwas schreckliches geschieht...
"Vier Freunde verbindet eine Leidenschaft: das Spiel mit dem Tod. Doch das Spiel wird zur Gefahr... und dann holt der Tod sie ein. Was als Spaß beginnt, endet tödlich."
(Klappentext)
Retrum ist ein Buch mit einfacher, aber sanfter Sprache
und einer ziemlich cleveren Idee: Durch das Buch zieht sich immer
wieder eine bestimmte Playlist die auf bestimmte Situationen in Chris'
Leben passen. Auf der Website Retrumfans.de kann man sich diese anhören
und mitleben. Eine wunderbare Idee und fabelhaft umgesetzt.
Der Erzählstil des Autoren
ist ruhig und fließend, den Titel "Thriller" wird dem Buch nicht
gerecht: Es ist vielmehr ein Roman über die Entwicklung des
Protagonisten Christians, seine Erlebnisse, den Weg zur eigenen
Identität und über die erste Liebe. Christian erkennt, dass Verliebtsein
nicht einfach ist und dass man mit Trauer auch anders umgehen kann, als
an Selbstmord zu denken. Der Roman schildert eine wichtige Zeit in
seinem Leben die ihn verändert und formt - und hier kommen wir jetzt zu
meinen Problemen mit dem Roman. Den Charakteren: Bis
auf Christian fand ich die Protagonisten des Buches, also im Grunde
genommen Alexia, Alba (die beiden Mädchen, die in Chris' Leben eine
entscheidende Bedeutung spielen) & seinem Vater allesamt eher
oberflächlich und flach beschrieben. Dafür, dass sie zentrale Personen
der Handlung sind, wird ihr Hintergrund kaum beleuchtet und ihre Motive
(gerade gegen Ende des Buches) kaum hinterfragt.
Auch Rolle der
Person des Stadtkünstlers (er hatte einen spanisch klingenden Namen) ist
mir zusehr aus dem Boden gestampft: Auf einmal ist er für Christian
eine wichtige Person und gibt ihm Ratschläge, die der 17 Jährige
benickt? Das geht mir alles zu schnell und ergibt keinen Sinn.
Das Ende des Buches ist
leider wirklich sehr enttäuschend: Die Auflösung der einzigen Sache,
die vielleicht etwas mit dem Genre "Thriller" zu tun haben könnte, ist
meiner Meinung nach zu schnell abgehandelt und wird nicht differenziert
genug erklärt - somit ist sie für mich unlogisch und nicht
nachvollziehbar.
Der Roman Retrum ist ein Jugendportrait,
welches das Potenzial zu mehr hätte, es jedoch nicht vollends
ausschöpft: Dafür sind viele Handlungsstränge zu schnell abgehandelt, in
denen die bereits erwähnten Charaktere mehr Tiefe hätten erlangen
können. Das ist schade.
Fans von spannungsgelandenen Thrillern
werden wohl auch keine Freude an diesem Roman der eher ruhigen Art haben
- dafür macht das Buch optisch eine Menge her, was nicht unbedingt über
gewisse Oberflächlichkeiten hinwegtäuscht.
DREI von fünf Grabsteinen.
Titel: Retrum
Autor: Francesc Miralles
Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 345
Erscheinungsdatum: 20.12.2011
ISBN: 9783785570388
Autor aus: Spanien
Retrum ist im Loewe Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
PS. Tut nix zur Sache, aber heute ist der National Blonde Brownie Day.
Vor sechs Jahren flüchtete der nun fünfzehnjährige Eli in einen unterirdischen Bunker seines
milliardenschweren Vaters - und ist damit wohl einer der wenigen
Überlebenden des nuklearen Angriffs auf die USA. Leider hat es nicht
seine ganze Familie in den Bunker geschafft: Seine Großmutter und sein
Zwillingsbruder Eddy waren zu spät. Besonders der Verlust seines Bruders
schwerzt Eli sehr, da er sich selbst die Schuld daran gibt, dass dieser
nicht mit ihm überleben konnte. Mit jedem verstrichenem Tag, mit jedem
Monat, mit jedem Jahr wird das Zusammenleben mit seiner Familie
schwieriger und unerträglicher - seine Schwestern nerven Eli nur noch,
mit seiner Mutter redet er nur selten und sein Vater fängt an, sich
seltsam zu benehmen...
Der Leser erfährt erst nach und nach mehr über die Hintergründe un
Ereignisse der beschriebenden Situation - das macht das Buch am Anfang
zu einer sehr spannenden und aufreibenden Erlebnis, dass viel
Interpretationsraum für eigene Spekulationen lässt. Die Sprache des Romans ist
einfach und dem jugendlicher Erzähler angepasst. Mit jedem Kapitel
fängt man an, Eli mehr und mehr zu verstehen und zu dem, was er ist -
und wieso er mit seiner Familie so umgeht.
Als Eli dann anfängt, die
Autorität seines Vaters zu hinterfragen, spitzt sich die Situation im
Bunker immer mehr zu - es kommt zu Ereignissen, die mir als Leser den
Mund offen stehen lässt und die ich mir für ein Jugendbuch kaum so
ausgemalt hätte!
Es gibt wenig Beschreibungen in dem Buch und selbst
diese sind sparsam gesetzt - das ist gut so, denn so macht man sich als
Leser ein eigenes sehr lebhaftes Bild von Elis Umgebung und den Figuren.
So sparsam der Autor auch bei der Beschreibung der Szenerie ist, so
wenig hätte er jedoch die restliche Familie auch noch aussparen müssen.
Denn diese bleibt bis zum Schluss zwar skizziert, aber irgendwie
klischeehaft: Lexie, die adoptierte große Schwester, die Eli nicht
leiden kann und alles dafür tut, um von ihrem Adoptivvater geliebt zu
werden und Terese, die "kleine Miss Perfect", die alles kann und immer
die richtigen Entscheidungen trifft.
Die Beweggründe
der einzelnen Figuren sind nicht nur nicht nachvollziehbar sondern
ändern sich auch so sprunghaft, dass es gegen Ende des Buches
unauthentisch wird. Am meisten gestört hat mich die Mutter Elis, die
ständig zwischen der Rolle der starken Frau und dem Bild der
verzweifelten und bemitleidenswerten Frau hin- und herspringt.
Das Buch wird dennoch sehr viele interessante moralische und ethische
Fragen auf - und das auf eine Art und Weise, die fast schon unter die
haut geht. Welche jedoch, werde ich nicht verraten, da dass schon fast
wieder an einen Spoiler grenzen würde. Lediglich das Thema Atomkrieg,
welches man ja vermuten könnte, wird nicht aufgegriffen. Warum auch
immer.
Nicht alles wird am Ende vollständig aufgelöst, aber das tut
der Handlung gut, da so das Bild des Happy Ends etwas aufgelöst wird -
wenn es denn eines gibt, was ich Euch natürlich AUCH nicht verrate,
muhaha!
"Überleben" ist gegen meine Erwartungen kein
gesellschaftskritischer Roman über Kriegstreiben und Survivalstrategien -
stattdessen ist es genau das, was man erwarten sollte: ein Thriller.
Man
bekommt in dem Roman keine tiefschürfende und gut differenzierte
Geschichte sondern gute und spannende Unterhaltung gepaar mit ethischen
Fragen- was gut dazu führen kann, dass man das Buch von S. A. Bodeen ein
paar Stunden (oder Tage) nicht aus der Hand legen können wird!
Christine spürt, wie sich neben ihr jemand regt. Wo ist sie? Schnell
richtet sie sich im Bett auf und hört ihr Rückrad knacken. Wieso fühlt
sie sich, als wäre sie 47?
Weil sie 47 ist. Überraschenderweise denkt
sie jeden Tag, sie wäre 20 und würde neben einem One Night Stand
liegen, einem ollen Lover, der nichts taugt. Bis sie versteht, dass sie
an Amnesie leidet, und der "olle Kerl" neben ihr ihr Mann Ben ist,
vergeht meistens ein bisschen Zeit. Meistens ruft ihr behandelnder Arzt
sie an, und erklärt ihr an den Schrank zu gehen, dort im untersten
Schubfach ein Buch zu finden - ihr Tagebuch. In dem alles steht. Auch
der kleine Satz "Vertrau Ben nicht!".
Ein Unfall soll es gewesen
sein, aufgrund dessen Christine ihr Gedächtnis verloren hat und zudem
ihre Fähigkeit, neue Informationen zu speichern. Sobald der Schlaf
Christine übermannt, vergisst sie alles, was sie am Tag zuvor gelernt
hat.
"Ich.Darf.Nicht.Schlafen." ist zu erst einmal eine sehr
schlechte Titelübersetzung. Der Originaltitel "Before I sleep" trifft da
schon eher, was Christine jeden Tag durchleben muss. Der Roman ist
ziemlich originell - ein Buch über Amnesie habe ich bisher noch nie
gelesen, und S. J. Watson schafft es mit seinem trockenen und sachlichen
Erzählstil eine traurige Geschichte zu schreiben. Der jedoch, wenn man
genauer hinschaut, meiner Meinung nach die tiefgründigen Gefühle fehlen -
zwar wird die Verzweiflung Christines jeden Tag zu VERGESSEN sehr gut
getroffen, aber auf positive Gefühle wartet der Leser lange. Die werden
nämlich im Gegensatz zu den negativen sehr schwach dargestellt.
Christine bleibt so, wie sie zu anfangs ist: blass. Sie vergisst
viel, und das mag man einem an Amnesie leidenden Charakter auch (hoch?)
anrechnen, aber viel mehr Tiefgründigkeit kann man auch gegen Ende des
Buches nicht von ihr erwarten.
Eine weitere Problematik des
Buches war ohne zu fragen das Ende - es war zwar gut durchdacht und
logisch aber nichtsdestotrotz komplett übertrieben und
überdramatisiert. Hier zeigt sich nochmal deutlicher, was ich eben
erwähnt hatte - Christine tut Dinge, die ich nicht nachvollziehen konnte
und irgendwie kam mir der Gedanke, dass sich der (männliche, recht
junge und nicht 47 jährige) Autor einfach nicht genug in eine 47 jährige
Frau hineinversetzen konnte.
Positiv war jedoch die Handlung
des Buches: Sie widerholt sich oft, ist eintönig, was der Thematik aber
nur recht gibt und den monotonen Alltag Christines unterstreicht.
Dennoch wird es nicht wirklich langweilig, da die Spannung gegen Ende
steigt.
Letztendlich ist "Ich.Darf.Nicht.Schlafen." ein
überraschend gutes, aber nicht konsequent überzeugendes Buch über ein
sehr originelles und bestimmt nicht einfaches Thema. Wer Thriller mag
(und entgegen der bisher gelesenen Meinung finde ich sehr, dass es ein
Thriller ist) und Brighton liebt (<3), ist hier gut beraten. Wer
nicht, der lieber nicht.
DREI von fünf Erdbeerpunkten.
Titel: Ich.Darf.Nicht.Schlafen.
Autoren: S.J. Watson
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 464
Erscheinungsdatum: 23.08.2011
ISBN: 9783651000087
Autor aus: Großbritannien
Ich.Darf.Nicht.Schlafen. ist im Scherz Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Sieben Jugendliche und 6 Portale, die in die rettende nächste Welt
führen. Keiner von ihnen erinnert sich an seine Vergangenheit, alle
wachen sie nackt im Kornfeld auf und müssen herausfinden, wo sie sind, wer
sie sind und was ihre Aufgabe ist. Nachdem (sie ihre Kleidung gefunden
haben) sich sammeln, bekommen sie nach und nach die vollen Ausmaße ihrer
Aufgabe zu spüren: Gejagt von seltsamen Kreaturen müssen sie
zusammenhalten, um zu überleben - aber geht das überhaupt? Kann man den anderen trauen? Und wieso gibt es am
Ende der 'Prüfung' dann ein Tor weniger als Gruppenmitglieder, das heisst doch von vornerein, dass sie sich entscheiden müssen, wer hierbleibt?
"Das
Labyrinth erwacht" war kein sehr überzeugender Roman. Nein, ganz im
Gegenteil: Es brauchte mich gar nicht zu überzeugen, da es von Anfang an
fesselnd und authentisch war. Die lebendige Wortwahl und die häufigen
(aber nicht unübersichtlichen) Perspektivwechsel des Autors machen den
Roman zu einer absoluten Leseempfehlung von einem Thriller (obwohl eine
Genreeinordnung nicht so leicht ist, da das Buch auch Science-Fiction
bzw. Postapokalyptische sowie Fantasyelemente enthält). Und das sage ich nicht, weil ich gesponsert wurde oder so! Nein,
es war eher schwierig, an ein günstiges Exemplar zu kommen, weil wohl
niemand dieses Buch einfach so hergeben möchte (; Aber nun zu meinen anderen Punkten.
Die Handlung: Einfach und simpel, aber sehr
überzeugend. Die sieben Jugendlichen folgen einem Stern, der sie zu den
Portalen führt. Viel mehr wissen sie nicht und auch der Leser bekommt
nicht viel mehr Einblick als zum Zeitpunkt des augenblicklichen Geschehens - das macht das Lesen jedoch nur umso
spannender, weil man nicht umherkommt mitzurätseln.
Die
Charaktere: Jenna, Jeb, Tian, Kathy, Mary, Leon und Mischa sind alle
sehr unterschiedlich und doch authentische Jugendliche. Allerdings gab
es hier und da Punkte, an denen ich mich über die leicht einseitige
Darstellung wunderte - um einige Seiten später (wenn die Perspektive
sich wieder demjenigen widmete) den Charakter besser beleuchtet zu
bekommen und zu verstehen. Die Darstellung der Charaktere ist also nicht
klischeebeladen und keineswegs oberflächlich. Sie ist vielleicht nicht philosophisch worteschwer, aber auch nicht eindeutig "schwarz" oder
"weiß". Jede auftretende Person ist irgendwie
ambivalent und es fällt nicht leicht sie in irgendeine Form zu pressen.
Der Zusammenhalt der Gruppe bekommt, je länger sie unterwegs sind, immer mehr Bedeutung innerhalb des Plots und wird anschaulich vom Autor beschrieben.
Zu
Ende des Buches bleiben viele Fragen offen: Wieso ist im Titel von
einem Labyrinth die Rede? Was passiert mit den Jugendlichen? Wie geht es
weiter? Ein fieser Cliffhänger bleibt bis zum 20. August bestehen -
dann kommt der zweite Teil der Trilogie ("Das Labyrinth jagt dich")
heraus und ich kann weiterfiebern. <3
Fazit: Ein wunderbar
spannendes und emotional tiefgründiges Buch mit tollen Charakteren und
einer einfachen, aber genialen Storyline. Lesen bitte!
FÜNF von fünf Erdbeeren.
Titel: Das Labyrinth erwacht
Autor:Rainer Wekwerth
Verlag: Arena Verlag
Seiten: 408
Erscheinungsdatum: 10.01.2013
ISBN: 978-3401067889
Autor aus: Deutschland
Das Labyrinth erwacht ist im Arena Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Ähm.. ich lebe noch.. ja! Ich hatte nur irgendwie keine Motivation zu bloggen. Kennt Ihr das auch? Bestimmt. Bevor ich noch melancholisch werde langweile ich Euch lieber mit einer Buchrezension!
"Hannes sah nach recht und nach links. Ein paar Fenster in den
gegenüberliegenden Häusern standen offen, aber niemand sah heraus,
nirgends waren Fernseh- oder Radiogeräusche zu hören. Keiner schimpfte,
keiner lachte, keiner heulte. Nichts. Einfach gar nichts." (S.73)
Vier Orte, fünf Jugendliche und eine menschenleere Welt: Für Hannes,
Tamara, Alissa, Leon und Kora steht die Welt auf einmal still. Tamara
nickt im Zug kurz ein und findet sich auf einmal auf menschenleerer
Steppe wieder. Alissa und Leon machen ein Picknick im Wald, als ihre
Freunde auf einmal nicht wieder auftauchen. Sie kennen sich (noch) nicht
und lernen doch gemeinsam, was es heisst, alleine zu sein.
Vakuum
ist ein bedrückender Thriller der Autorin Antje Wagner der es umgehend
gelingt den Leser in ihrer Geschichte zu verwickeln und die Charaktere
der Jugendlichen authentisch zum Leben zu erwecken. Die Geschichte wird
abwechselnd aus der Sicht der fünf Teenager geschildert (die sich vom
Alter teilweise sehr unterscheiden). Dabei gibt jedes Kapitel neue
Geheimnisse preis, die der Leser mitentschlüsseln kann und darf: Denn
das macht den Reiz dieses Buches aus!
Eine große Stärke des Buches
sind, wie erwähnt, die Charaktere des Buches, die die Autorin (nach
eigener Aussage in einer Leserunde auf Lovelybooks) etwa ein Jahr lang
entwickelt und sie durch ihre Wünsche, Ängste und Eigenschaften lebendig
hat werden lassen, bevor sie mit dem Schreiben an "Vakuum" begann. Und
dies merkt man sehr!
Sprachlich hat die Autorin einen lockeren
Schreibstil der sich sehr gut lesen lässt. Besonders berührt hat mich in
dem Buch, wie die Autorin verschiedenartige und komplexe Thematiken
wie Freundschaft, Tod oder Krankheiten anspricht, ohne sie explizit
auszusprechen oder eine Moral zu definieren. Dies, so meine Meinung,
macht das Buch auch besonders für erwachsene Leser interessant.
Insgesamt
ist "Vakuum" ein durch und durch spannender und anspruchsvoller Roman
der den Leser nicht nur durch liebenswerte Charaktere in seinen Bann
zieht, sondern auch seine unheimliche und ergreifende Atmosphäre.
fünf von FÜNF Sternen! :D
Titel: Vakuum
Autorin:Antje Wagner
Verlag: Bloomsbury
Seiten: 304
Erscheinungsdatum: 1. 09. 2012
ISBN: 9783827054371
Autorin aus: Deutschland
Vakuumist im Bloomsbury erschienen, bestellen kann man es hier.
Aimee Gannon, Psychologin, wird hinzugezogen als eine ihrer jüngere Patientinnen Taylor blutend und ziemlich sprachlos neben ihren brutal ermordeten Eltern aufgefunden wird. Aimee glaubt an die Unschuld der jungen Frau und fängt mit dem Detective Josh Wolf an zu ermitteln. Die Psychologin selbst hat natürlich auch an einem Trauma aus früherer Zeit zu nagen.
Leider ist das Buch mehr als Thriller oder Krimi. Nämlich auch eine Liebesgeschichte zwischen Detektiv und Psychologin - dieser "hilft" ihr dann, ihr "Trauma" zu verabeiten. Ja. Ist genauso scheinheilig beschrieben wie es sich anhört.
Die Autorin entschieidet sich in "Im Netz der Angst" für einen sehr kleinen Kreis aus Verdächtigen. Dabei bekommt man als Leser viel von der Gedankenwelt des Täters mit. An sich kein schlechter Grundgedanke - allerdings kann man sich so schon schnell klamüsern, wer der Täter sein könnte, was den ganzen Roman im Hinblick auf den doch interessanten Fall etwas Spannung nimmt. Tarnende Handlungsstränge oder fehlführende Fährten sucht man vergebens.
Die Liebesgeschichte im Roman ist auch an sich nichts negatives - nur wirkte sie in diesem Falle irgendwie etwas fehl am Platz, da es "Im Netz der Angst" auch um das sensible Thema Pädophilie geht, welches dementsprechend oberflächlich behandelt wird. (Zudem waren die hier beschriebenen romantischen Szenen sehr detailliert und ausführlich. Da fragt man sich spontan: Warum? Was hat das mit einem Thriller zu tun?)
Der Ermittler Josh selbst ist der Inbegriff einer Klischeebeschreibung: Breite Schultern, maskulin bis zum Po, groß und machomäßiges Auftreten. Nun, er ist einfach nicht der hellste Stern am Himmel. Taylor (das "Opfer") hingegen ist vielschichtiger: Ihre charakterliche Entwicklung ist spannend und packend erzählt.
Aimee Gannon widerum ist weder Fisch noch Vogel, zum einen eine starke Frau die mit den brutalsten Beschreibungen klar kommt, zum anderen eine ziemlich unprofessionel wirkende Frau die sehr gefühlsgesteuert (anders kann ich mir ihre Handlungen nicht erklären) ist.
Gegen Ende des Buches tritt ein neuer Verdächtiger in die Plotline - und bringt den Fall rasant zum Abschluss. Wenig überraschend und recht vorhersehbar endet das Buch dann ziemlich schnell.
Ein Thriller ist "Im Netz der Angst" für mich daher nicht zu wenig fesselnd und zu vorhersehbar- eher eine Liekrigeschichte (Liebe + Krimi = LiKri). Naja. Leider nicht ganz mein Geschmack, von daher gibt es von mir nur
ZWEI von FÜNF Sternen.
Fazit: Ein sehr mittelmäßiger Roman dem es an Spannung fehlt.
Titel: Im Netz der Angst
Autor: Eileen Carr
Verlag: Lyx Egmont
Seiten: 352
Erscheinungsdatum: 11. April 2013
ISBN: 978-3802590986
Autorin aus: den USA HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Bastian ist ein ziemlicher Streber der am liebsten über seinen Büchern
hokt und für sein Medizinstudium lernt - bis er Sandra kennen lernt. Die
nimmt ihn nämlich spontan auf einen Mittelaltermarkt mit, in einer
Welt, die er so noch nicht kennen gelernt hat. Plötzlich findet er sich
zwischen kämpfenden Rittern, Marktweibern und Ledertaschen wieder und
weiß kaum, wie ihm geschieht. Als Sandra ihn dann auch noch überreden
will an einer Convention ihrer Freunde, deren Live-Rollenspielgruppe
sich Saeculum nennt, teilzunehmen, ist er erst mal skeptisch. Mit
Rollenspiel kennt er sich eigentlich nicht so aus, und mit der Zeit vor
dem 14. Jahrhundert auch nicht (denn das ist die Zeit, auf
die
Saeculum sich spezialisiert hat). Die Tatsache auf der
Convention mehr Zeit mit Sandra verbringen zu können klingt allerdings
ganz verlockend..
also schlägt er ein - auch wenn das heisst, für ganze
fünf Tage auf alle Angenehmlichkeiten des modernen Alltags verzichten zu
müssen. Im Wald, ohne Zelt, nur mit Decken, altertümlichen Kleidern und
etwas Essgeschirr bestückt, zusammen mit anderen Rollenspielern die an
so etwas mehr oder weniger schon gewohnt sind. Doch die Tage verlaufen
anders, als das Organisationsteam der Convention sie geplant hatten -
die Gegend, in der sie spielen wollen, findet nämlich in einem angeblich
verfluchtem Gebiet statt..
Die Autorin Ursula Poznanski widmet
sich gerne ungewöhnlichen Themen wie hier, dem Rollenspiel. Da ich
selber auch Rollenspiel betreibe war die Perspektive für mich, ganz im
Gegensatz zu Bastian oder den meisten Lesern (wenn man Lovelybooks glauben schenkt), eine andere - und doch verschlang Saeculum mich
sofort und zog mich in seinen Bann. Die Handlung nimmt sich Zeit und es
fiel mir trotz meiner Vorurteile (Wird die Rollenspielszene klischeehaft, typitisiert oder übertrieben dargestellt? Kann jemand, der damit nicht zu tun hat, etwas anfangen und Vorurteile vielleicht sogar abbauen?) sehr leicht mich in den etwas
misstrauischem Bastian, der sich auf fünf Tage Spiel und Spaß (wenn auch
mit etwas seltsamen Leuten) freut, hineinzuversetzen.
Solche
Gedanken (wie er sie hat) kennt man vielleicht, wenn man selber schon
mal Rollenspielern begegnet ist - wie schaffen sie es, sich ständig mit
"Ihr" anzusprechen und dabei ernst zu bleiben? Magische Artefakte suchen
und Aufträge von einem höhergestellten Ritter annehmen? Ehrlich? Albern? Doch
wenn man keine Probleme hat in eine selbst ausgedachte Rolle zu
schlüpfen fällt es leicht mitzumachen und Spaß am Rollenspiel zu
bekommen.
Zu meinem größten Erstaunen geht Poznanski sehr
behutsam an das Thema des Rollenspiels heran und bedient sich keinen
ausgelatschten Klischees - sie ist nie wertend und bleibt stets dicht an
der Perspektive von Bastian, dem das alles zwar komisch, aber dennoch
amüsant erscheint.
Die Geschichte selbst ist (abgesehen davon, dass
sie spannend ist) sehr gut durchdacht und wirkt keinstenfalls
konstruiert oder unlogisch - erst am Ende wird einem die Bedeutung von
allem klar, nichts ist vorhersehbar und doch kann man als Leser
wunderbar miträtseln - dabei gibt es stets zwei Seiten: Ist die Gegend
nun verflucht oder übertreibt die selbstgewählte Hellseherin Doro
maßlos?
Die Charaktere des Buches sind wunderbar authentisch und
wirken sehr lebensecht - sofort entwickelt man Sympathien bzw.
Dissympathien die jedoch je nach Handlung und Entscheidung der Spieler
hie und da wieder umgeworfen werden so dass man sich selbst mit einem
ständigen Perspektivwechsel konfrontiert sieht. Letztendlich ist jede
Figur in Saeculum wichtig und trägt zur Handlung bei. Diese Gewichtung
merkt man der Gesichte an, ohne dass sie belastend und zu ernst wirkt.
Der
Ausgang der Geschichte beruhte schlussendlich auf so vielen
Kleinigkeiten und Details, die einem erst „vor Ort“ wie Schuppen von den
Augen fallen.
Die Sprache Saeculums ist ein weiterer wichtiger
Bestandteil der Atmosphäre dieses Werkes - die Beschreibungen der
Landschaft und der handelnden Personen sowie der lockere Umgang mit der
Jugendsprache die ständig emotionalen Spannungen unterliegt, gelingen der
Autorin hervorragend.
Fazit: Saeculum überzeugt durch einen
sehr gut durchdachtem Plot, ein sehr originelles Setting und brillianten
Protagonisten - ein Werk, an dem ich absolut nichts auszusetzen habe,
und das ich jedem Fan von Spannungs- und Emotionsgeladenen Geschichten
sowie tiefgründigen Charakteren weiterempfehlen werde.
Auch
Rollenspielern und Larpern sei dieses Buch ans Herz gelegt, da es ein
wunderbarer Beweis dafür ist, dass auch Nicht-Rollenspieler
vorurteilsfreie Werke schreiben können.
von FÜNF Bambis.
Titel: Saeculum
Autor: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe
Seiten: 496
Erscheinungsdatum: 1. November 2011
ISBN: 9783785570289
Autorin aus: Österreich HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Saeculum ist im Loewe Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Eingeschneit in einer Gondel in der angeblich
"sichersten" Seilbahn der Tiroler Alpen, der Kitzbüheler
Dreiseil-Umlaufbahn (oder zumindestens der einzigen Seilbahn, die nur
einen Stützpfeiler hat) während des heftigsten Orkan des Jahres - da
bekommen die Insassen der Berggondel doch gleich gute Laune.
Unter
ihnen ein Kleinkind das pinkeln muss, eine gestresste Mutter die nicht
weiß wohin mit sich selbst, ein verliebtes Pärchen das nicht voneinander
ablassen kann, zwei junge Teenager, ein Wartungstechniker der
Gondelbahn, ein Pfarrer, irgendein dicker Mann und ein zerstrittenes
Ehepaar. Was sie alle nicht ahnen: Ein Mörder sitzt unter ihnen. Oder
eher: Zwischen ihnen (denn unter der Gondel ist zwar viel Platz, aber
auch viel kalte Luft). Dieser lächelt still in sich hinein und freut
sich...
Spannung. Das ist wohl das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich an Mortimer M. Müllers Roman "Kabine 14", denke.
Der
Schreibstil des Autoren selbst ist einfach, eloquent und passend - die
Kapitel selbst sind in relativ kurze Abschnitte gegliedert, welche
jeweils die Sicht eines anderen Charakter schildern. Dabei gibt es sehr
viele unterschiedliche Perspektiven: Neben ermittelnden Kommissaren gibt
es auch einen Meteorologen, den Leuten, die für die Sicherung der
Gondeln zuständig sind, den einzelnen Personen in der Kabine selbst -
und dem Mörder. Wobei der Leser stets miträtseln kann, wer denn nun
eigentlich der Irre ist... Das ständige Abwarten steigert die Spannung
nur noch mehr und führt dazu, dass es wirklich schwerfällt, das Buch
wegzulegen. Einzig und allein die doch sehr brutalen und makaberen
Szenen aus der Sicht des Killers hätten meiner Meinung nach nicht ganz
so detailliert sein müssen.
Die Charaktere des Buches sind dabei
ziemlich vielfältig, wenn auch vielleicht nicht ganz vielschichtig -
immer wieder hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass viele der
Protagonisten zwar sympathisch und zu gewissem Grad autentisch, aber
doch etwas klischeehaft wirken. Das quengelnde Kind, die
gestresste Mutter - vielleicht sind es gerade solche Typisierungen sowie
die Ausgewogenheit mit der derartig viele verschiedene Personen gerade
in dieser einen Kabine Nummer 14 versammelt wurden, die diesen Eindruck
bei mir erweckten.
Auch gibt es in dem Roman nicht viele längere Monologe, was es den einzelnen Charakteren etwas schwer macht, Tiefe zu erlangen.
Die
Geschichte selbst hat viele (spannende) Höhen und Tiefen und ist immer
abwechslungsreich und aufregend. Es kommen keine Längen auf und die
Story wirkt trotz ihrer Dramatik ziemlich realistisch und nicht
konstruiert. Einzig und allein das Ende bereitete mir Probleme - wohl
mehr meine persönliche Meinung - aber auf den letzten Seiten des Buches
wird klar, dass es eine Fortsetzung geben wird. Und das hätte ich den
Charakteren des Buches einfach nicht gewünscht.
Letztendlich ein
sehr unterhaltsames und fesselndes Buch das mit einigem
Hintergrundwissen über die Seilbahnen der Kitzbüheler
Dreiseil-Umlaufbahn sowie meteorologischen Wetterverhältnissen aufwarten
und überzeugen kann. Eine absolute Empfehlung an Thriller Fans mit starken Nerven!
von
FÜNF Schneeflocken.
Eure Meinung zu diesem Thriller? Wäre er etwas für Euch? Oder lest ihr lieber wärmere Lektüren? (:
Titel: Kabine 14
Autor: Mortimer M. Müller
Verlag: Berenkamp
Seiten: 368
Erscheinungsdatum: 12. Mai 2013
ISBN: 9783850933070
Autor aus: Österreich HIER kann man ins Buch hineinlesen.
Kabine 14 ist im Berenkamp Verlag erschienen, bestellen kann man es hier. Vielen Dank an Mortimer M. Müller, Lovelybooks
und natürlich den Verlag für die Bereitstellung des Buches und die Leserunde! (:
Jem sieht das Datum, an dem andere Menschen sterben - wahrlich keine reine Freude für sie. Ihre Mutter stirbt an
Drogenkonsum als sie sieben Jahre alt ist und keine der Pflegeeltern
hält es lange mit ihr aus. Doch ihr Einzelgängertum ändert sich, als
sie Spinne kennen lernt. Mit ihm erfährt sie, das Freundschaft auch aus Vertrauen besteht und gegenteiliger Anteilnahme.
Als die beiden zufälligerweise am
London Eye sind, bemerkt Jem auf einmal das alle Menschen um sie herum
die gleichen Zahlen haben - und zwar das Datum vom heutigen Tag. Panisch zieht sie Spinne mit sich -und plötzlich werden die beiden in ganz England gesucht.
Wer denkt, das
Buch würde sich mit einer Verfolgungsjagt abgeben, täuscht. Denn das
Buch ist wirklich mehr als eine Hetzjagt: Ausführlich nimmt es sich für
die Charakterentwicklung der beiden Protagonisten, die unterschiedlicher
und gleichzeitig passender (zueinander) nicht sein könnten, Zeit. Die
britische Atmosphäre, wenn man es so nennen mag, wird wunderbar (dank
schlechtem Wetter und Regengüssen) getroffen und auch die
Liebesgeschichte zwischen Spinne und Jem wirkt lebensnah und unkitschig.
Einzig auffällig in dem Buch ist die häufige Verwendung der
Jugendsprache, doch wer sich daran nicht stört, sollte keine Probleme
haben.
Überraschend fand ich die Festlegung des thematischen
Schwerpunktes der Autorin: Nicht die Verfolgung der beiden, sondern
vielmehr ihre Entwicklung und Zuneigung zueinander liegt im Vordergrund.
Dabei wird auf Verschönerungen und romantisierende Elemente komplett
verzichtet und die Beziehung der beiden zueinander zwar zärtlich, aber
realistisch und authentisch geschildert.
Das Ende des Buches
kann man zum einen als abgeschlossene Geschichte, oder aber auch als
Cliffhänger zum nächsten Band (es gibt insgesamt 3, wer hätt's gedacht)
sehen - da ich keine Generationenübergreifenden Geschichten mag, werde
ich die nachfolgenden Bücher leider nicht lesen. Fazit: Dennoch in sich ist der
Roman "Numbers" eine wunderbare lebensechte, unglitzernde, dramatische
Geschichte zweier junger Menschen von denen eine leider eine Gabe hat,
die das Leben nicht sehr leicht macht. Eine begeisterte Leseempfehlung
von mir!
Hannah ist tot. Und Clay um eine Box mit Kassetten reicher. Zuerst hat
der junge Teenager keine Ahnung was es mit dem Paket auf sich hat - doch
dann hört er sich die erste Kassette an.. und kann es nicht glauben als
er die Stimme seiner heimlichen Liebe und Klassenkameradin Hannah hört,
die ihn in den sieben Kassetten darüber aufklärt, wer alles an ihrem
Tod Schuld ist und wieso. Clay, stellt schockiert fest, ist einer
davon...
ist eines der vielen
Jugendbücher die die Themen Mobbing und Selbstmord (passenderweise
auch noch Vergewaltigung) thematisieren. Leider nimmt sich das
Buch an vielen Stellen sehr viel zu wichtig und versucht zwei
Sichtweisen in eine zu pressen. Das erklärt sich so:
Clay, der Erzähler, hört sich Hannahs Kassetten an. Dabei wird in kursiver Schrift dargestellt, was er hört. Ein Beispiel (frei aus der Luft gegriffen):
Mein Name ist Horst. Ich stöpsle die Kopfhörer meiner Oma in den Kassettenrecorder und lausche dem Erzähler des Hörbuches, dass ich mir schon vor Jahren auf dem Trödelmarkt gekauft, aber jetzt erst unter einer Schublade stinkiger Socken wiedergefunden habe. Ach ja, falls sich jemand wundert, ich bin Messi. Und mir gar nicht mal so sicher ob ich genug Geduld für so ein Hörbuch habe. Nofretete, die ihren Namen nicht umsonst trug, saß in ihrem Wohnzimmer und trank ein Tässchen Tee.
Ach ja, Tee, ich könnte mir auch eine Tasse gönnen. Ich stehe auf und laufe ins Wohnzimmer. Der Tee schmecke bitter. Sie hielt ihn vom Gesicht weg und verzog die Nase. Dabei sah sie, wie ihr Hund sich streckte und langsam aufwachte. Hatte sie den Teebeutel zu lange dringelassen?
Ich stehe im Wohnzimmer und frage mich, was ich hier soll. Ich drehe ab und schlurfe in die Küche. Unter einer alten Packung MonCherie finde ich eine Pfefferminzteepackung die erst seit drei Jahren abgelaufen ist. Vielleicht war der Tee auch schon zu alt? Prüfend schnupperte Nofretete an ihrer dampfenden Tasse.
Das Wasser kocht nur langsam im Wasserkocher auf und der Wasserdampf verschwindet in der stickigen Luft der Messiwohnung. Meine Kopfhörer schlackern um mich herum.
Natürlich hat das Beispiel nichts mit dem Inhalt von"Tote Mädchen lügen nicht" zu tun - aber so erging es mir immer wieder beim Lesen. Meine Gedanken verknoteten sich bei den oftmals sehr sprunghaften (und ähnlichen) Übergängen von Clays- zu Hannahsgedankenwelt und ich hatte Schwierigkeiten mich in eine der beiden Personen, waren sie sich doch gar nicht so unähnlich, hineinzuversetzen.
Gerade Hannahs Charakter erschien mir oftmals viel zu taff und sarkastisch, als dass ich ihr ihre Probleme mit sich und der Welt wirklich hätte abnehmen können. Mit einer kleinen Prise Humor zählt sie ausführlich (auf sieben Kassetten) die Personen, denen sie die Schuld an ihrem Selbstmord gibt, auf. Leider finde ich ihre Gefühle hinter ihren Gründen einfach nicht plausibel - klar ist das Thema Mobbing brisant und je nach Individuum unterschiedlich aufzufassen - aber so wie Hannah ihre Gründe schildert, wirkt ihre letztendliche Entscheidung einfach unglaubwürdig.
Ich denke ihr Charakter besitzt einfach nicht genügend Tiefe um mich ihr wirklich nahe zu fühlen - man erfährt wenig über sie, über ihre Familie und hat das Gefühl nicht ganz im Bilde zu sein, denn ein Selbstmord hat bestimmt komplexere Ursachen als nur die Gründe, die sie einem auf den Kassetten liefert. Die Verzweiflung, die sie zu dieser Tat führte, wahr nicht wirklich greifbar.
Ein bisschen hatte ich auch das Gefühl, dass der Autor Jay Asher, der ja selbst zugibt die Idee für den Roman bei einer Audioführung in einem Museum gehabt zu haben, sich mehr mit der Umsetzung und den Statistiken von Selbstmord + Mobbing unter Jugendlichen auseinandergesetzt, als sich wirklich mit der inneren Gefühlswelt einer 17 Jährigen beschäftigt. Das merkt man an einigen Stellen*.
Vielleicht hätte man Hannah auch weniger selbstbewusst darstellen können, oder ihre Erzählungen nicht ständig mit obercoolen Sätzen à la
"Niemand sollte versuchen aus der Reihe zu tanzen, es gibt genug Kopien von allen Werken. Diese könnten, sollten sie an die Presse gelangen für eine Menge Trubel sorgen, wenn das Paket nicht bei allen ankommt. Seid Euch nicht sicher, nie beobachtete zu werden. Ich könnte schon jetzt, in diesem Augenblick, hinter Euch stehen und Euch über die Schulter schauen.
ausschmücken sollen. (keine direkte Zitatangabe, umformuliert das Gleiche ausgedrückt)
Ein anderer Grund für die Oberflächlichkeit der Charaktere könnte die zwispältige und zweigeteilte Sichtweise der kursivgedruckten Hannahgedanken und der Gedankenwelt Clays sein. Entweder oder:
A) Ich hätte es zum einen angenehmer gefunden Hannah näher zu kommen, in dem ich als Leser dabei bin, wenn sie ihre Kassetten aufnimmt. (Oder ihr Tagebuch schreibt, whatever).
B) Oder den Erzählungen auf den Tonbändern weniger Beachtung geschenkt, dafür Clays Entwicklung mehr Platz eingeräumt (er hätte zum einen in der Schule ermitteln können: Wie haben seine Mitschüler Hannah wirklich wahrgenommen? Was hat Justin in der Nacht zum Xten getan?).
Andererseits ist die Wirkung, die die Kassetten auf Clay haben, für den Leser sehr reizvoll: Ich mich immer wieder dabei wie ich wirklich Mitleid mit Clay bekam, der so gar keine Ahnung hat, wieso ER denn Schuld haben sollte.
Fazit: Letztendlich bleibt "Tote Mädchen lügen nicht" ein mäßig spannender und emotional oberflächlicher Roman mit seelenloser Umsetzung und einer sehr originellen Idee in der eine Ursache zur anderen führt.
von FÜNF Teetassen.
*Hannah verpasst sich im Buch eine neue Frisur und merkt im Unterricht, als sie das Thema Suizid behandeln, dass optische Veränderung ein Anzeichen von Selbstmord sein können. Wow. Wie originell.
Titel: Tote Mädchen lügen nicht (13 reasons why).
Autor: Jay Asher
Verlag: cbt
Seiten: 288
Erscheinungsdatum: 16. März 2009
ISBN: 978-3570160206
Autor aus: den USA
Tote Mädchen lügen nicht ist im cbt Verlag erschienen, bestellen kann man es hier.
Im Film Lucky Number Slevin (oder im deutschen Lucky # Sleven, jaja, Kreativität und so) wird die Hauptperson Slevin durch Zufall in den Krieg der beiden New Yorker Untergrundgrößen "Rabbi" und den "Boss" verwickelt und muss nun irgendwie die ganze Sache unbeschadet überstehen - dabei wollte er eigentlich nur seinen Kumpel Nick in New York besuchen! Natürlich ist damit nicht genug, es hefetet sich auch noch ein nervtötender Polizist (oder nein, in Amerika heisst das ja Cop) und ein berüchtigter Killer namens Goodkat an seine Fersen.
Ich muss sagen, der Film hat mir (symbolisch, ein Glück nur) Kopfschmerzen bereitet. Ich blogge das ganze ja im Rahmen einer Blogroll von PeteBack und mir - Sonntaglich gemeinsames Fernsehen nennt sich das netterweise. Leider hatte ich nach dem ersten Durchlesen der Inhaltsangabe des Films schon keine richtige Lust mehr ihn zu sehen - dabei tu ich dem Film unrecht, so schlecht ist er nicht. Allerdings wurde ich wieder in meinem Verdacht bestätigt, dass amerikanische Thriller einfach nicht mein Ding sind.
In Lucky Number Slevin wird geschossen, nicht nur mit Kugeln: Die Dialoge sind gerissen scharf und Slevin selbst ist wirklich nicht auf den Mund gefallen. Das gibt dem Film auch eine Portion Humor - dennoch hat er sehr unerwartete Momente, davon auch einige traurige. Der Film ist eine gute Mischung aus Ernsthaftigkeit und lustigen Senen. Unklare Rollenverteilungen, überraschende Wendungen und Zeitsprünge prägen das Hauptbild des Gesamtwerkes (wow, klingt das professionel!). Trockener Humor und gute Darstellerleistung (sowie gutbesetzte Rollen) geben dem Film den Rest - und mir, da ich irgendwie nicht warm wurde mit den Protagonisten. Immer, wenn ich dachte DER ist mir sympathisch, wurde derjenige entweder umgebracht oder war nicht der, der er zu sein schien. Da mir der rote Faden dann zum Ende hin ganz entglitt, kann ich nur eingestehen, dass mich die Thematik nicht wirklich mitriss - Gangstergeschichten sind selten etwas, was mich begeistert. Und Lucky # Sleven beweist das nur vorzüglich.
Wer Filme wie "Departed - unter Feinden" mag, wird wohl große Freude an dem Film haben. Meine war es nicht.
Axşamınız xeyir, çiyələk döyüşçülər və döyüşçülər əziz! Das war aserbaidschanisch und ein Willkommensgruß. Dies ist der Blog einer Erdbeere in der Erdumlaufbahn. Hier blogge ich über alles, was mir von den
Menschen im Gedächtnis bleibt - Bei Kontinentalschwankungen bitte ich, einen Arzt zu konsultieren. Willkommen! Dies ist der Blog von Erdbeerliebe, der sich in einer Peripherie des Kitschs befindet! Eigentlich brauche ich nur einen Platz im Internet um meine Gedanken und mein mentales Zirconium abladen (und anderen ohne Zwang aufladen) zu können. Ich mag es, sinnfreie Texte zu schreiben und bin auch manchmal SO faul, dass ich Sätze einfach nicht zu Ende Weder leide ich unter Thaasophobie noch unter Vitricophobie, denn ich besitze gar keinen.
Auch die Zemmiphobie ist mir fremd, ich finde Nacktmulle eigentlich ganz putzig! Dies ist auch ein Teil der Begriffe, die meinen Blog beschreibt (nein, nicht Nacktmulch) - ich schreibe gerne über überzuckerte Dinge, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen, andere Welten in denen ich mich verlaufe, Rezensionen die ich an Euch loswerden will usw. Manchmal, eher selten als übermäßig oft, könnte es auch sein das es auch um MICH geht.
Ihr wollt auch einen intergalaktischen Austausch zum Mars unternehmen? Oder wissen, wie das geheime Leben einer Superheldin abläuft? Autogramme abgreifen? Dann fragt mich! Auch für andere Fragen sowie Kritik, sofern erdbeerigst, Wünschen oder Äußerungen, bin ich vorübergehend aufgeschlossen. (: